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REVIEW 8.5 28.04.2021, 08:00

(Album des Monats, RH 407, 2021)

GOJIRA - Fortitude

Jahrzehntelang krebsten GOJIRA im Metal-Underground herum, ehe „Magma“ die Franzosen 2016 etwas überraschend in die Beletage des Weltmetalls katapultierte. Der Umzug in die Künstlermetropole New York und das Verarbeiten des Todes der Mutter in emotionalen Songs half den Brüdern Duplantier, unsichtbare Grenzen zu überwinden und außergewöhnliche Tonkunst zwischen Metallica und Fear Factory zu erschaffen. Nun ist wieder ein Stück Normalität eingekehrt, die Erwartungshaltung der Fans, einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger zu erhalten, war entsprechend. Sie wurde im August letzten Jahres noch durch die erste Single-Auskopplung ´Another World´ geschürt, einen der eingängigsten Headbanger der letzten Jahre. Doch der Song erweist sich am Ende als bester Titel des Albums, was zunächst mal eine kleine Enttäuschung darstellt. „Fortitude“ ist jedoch ein forderndes Album, das mit interessanten Details, teils philosophisch angehauchten Texten und einer positiven Energie hochansteckend bleibt. Bestes Beispiel ist der mantraartige Titeltrack, der zunächst wie ein Lückenfüller wirkt, um die Platte zu strecken, am Ende jedoch stundenlang im Kopf herumspukt. ´Fortitude´/´The Chant´ teilt das Album in zwei Hälften. Die geschmackvollen Rhythmus- und Rifforgien der zweiten Hälfte laden zum Träumen (´The Trails´) und Auswendiglernen ein, das Starter-Fünfpack ist als abwechslungsreiche Jukebox ohnehin gelungen. Das wuchtige ´Born For One Thing´ eröffnet bestens, ´Amazonia´ schließt sich schwer groovend an, ´Another World´ ist ein Hit, ´Hold On´ lädt als Kampfslogan zum Mitshouten ein. Selbst die etwas diffuse Rifforgie ´New Found´ ist nicht von schlechten Eltern. An zwei, drei Stellen schleicht sich ein bisschen Ratlosigkeit ein, wenn Passagen wie aneinandergeklebt wirken oder Refrains nicht wie ein opulentes Feuerwerk zünden. Insgesamt ist das aber Meckern auf hohem Niveau. Auch wenn GOJIRA diesmal nicht der ganz große Wurf gelingt, so ist „Fortitude“ doch ein zeitgemäßes Gesamtkunstwerk, das man als aufgeschlossener Metaller gehört haben sollte.

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