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REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

VOJD - The Outer Ocean

Bietet schon jemand „Rock´n´Roll Consulting“ an? Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum sich die im Underground sehr geschätzten Schweden Black Trip nach u.a. dem Ausstieg ihres Drummers Jonas Wikstrand (für ihn kam der 53-jährige Order-Of-Isaz-Schlagwerker Anders Bentell) in VOJD umbenannt haben - nur um, allen Unkenrufen und eigenem Bekunden zum Trotz, mit „The Outer Ocean“ ein Album aufzunehmen, das durchaus wie der dritte Black-Trip-Dreher klingt - mit etwas geringerer NWOBHM-Schlagseite, dafür ein paar „Experimenten“ mehr. Die gute Nachricht: „Typisches“ Band-Futter wie der Classic-Hardrock-Anfang ´Break Out´/´On An Endless Day Of Everlasting Winter´, das erneut auf einen ollen Scorpions-Groove zurückgreifende ´On The Run´, das zügige ´Heavy Skies´ oder das - auch das findet sich noch - Thin-Lizzy-Generikum ´Delusions In The Sky´ zündet spätestens nach dem zweiten, dritten Durchlauf, vielleicht wären es mit einer etwas strafferen Produktion sogar die Hookline-technisch zwingendsten, ähem, Black-Trip-Songs überhaupt. Die schlechte Nachricht: Die erwähnten „Experimente“ sind leider durchweg für die Katz´. Das ruhige ´To The Light´ fällt am Ende kaum auf, und den versponnenen Psych-Rock des Titelsongs können andere Acts einfach besser, den völlig missratenen „Blues“ ´Dream Machine´ muss man hingegen regelrecht ertragen, ein schon nicht mehr „nur“ langweilender, sondern schlicht nervender Totalausfall, wie er im Buche steht. Noch mal: Alles in allem läuft „The Outer Ocean“ durchaus als starkes, manchmal sogar sehr starkes Retro-Hardrock-Album ins Ziel und löst den letztmonatigen Deadheads-Dreher im Player prima ab. Ich habe halt nur irgendwie das Gefühl, dass die Platte im VÖ-Dschungel komplett untergehen wird...

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Album, RH 370, 2018)

OCEANS OF SLUMBER - The Banished Heart

Von den in ihrer eigenen Liga spielenden Gojira abgesehen, lässt mich „moderner“ Progressive Metal bei allem Respekt in der Regel seltsam kalt, selbst die Spitzen wie Between The Buried And Me oder Leprous laden mich nicht zu intensiven Kopfhörer-Sessions ein, zu Stunden reinen Musikglücks, wie man sie anno dazumal mit Watchtower, Sieges Even & Co. erlebt hat. Eine der wenigen Ausnahmen: die TexanerInnen OCEANS OF SLUMBER, die ihrem herausragenden 2016er Werk „Winter“ mit der dritten Platte „The Banished Heart“ nun einen Nachfolger an die Seite stellen, der noch fordernder ist. Das liegt weniger am Grundrezept, einem dynamischen Auf und Ab von Tori-Amos-beeinflusstem Singer/Songwriter-Pop (Titelsong!) und herzlichstem Soul und Blues, den Frontfrau Cammie Gilbert wie keine Zweite in der „harten“ Musikszene beherrscht, über technisch-redundante Technik-Kunst und Neunziger-Doomdeath (´Fleeting Vigilance´) bis zu Death-Metal-Geblaste inklusive Growls (´At Dawn´), sondern vor allem an einer extrem ernsten Atmosphäre, die den Eindruck erweckt, es ginge um Leben und Tod. Und ei der Daus: Das tut es! OCEANS OF SLUMBER, vor allem ihre Köpfe Dobber Beverly (dr.) und eben Cammie Gilbert, werfen hier alles in die Waagschale, stellen sich Dämonen, denen man sich lieber nicht stellen möchte, verarbeiten das Ende alles Irdischen und die Einsamkeit davor, verlieren aber auch nicht das Ziel aus den Augen, die Schönheit auf den Thron zu hieven. Am Ende hat man schließlich das Gefühl, dass vielleicht der Krieg noch nicht gewonnen ist, aber immerhin die ersten großen Schlachten. Das „verbannte Herz“, es schlägt noch.

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

MICHAEL SCHENKER FEST - Resurrection

Nuclear Blast/Warner (52:17) Die Meinungen in der Redaktion gehen auseinander, ich halte es tendenziell mit Schenker-Interviewer Jörg Staude (lese weiter vorne im Heft): „Resurrection" ist vielleicht nicht die titelgebende „Auferstehung" des exaltierten, kann man ruhigen Gewissens so schreiben: Gitarrengottes, geboren in Sarstedt in Niedersachsen, zu Hause „worldwide" (wie er sicher sagen würde), aber tatsächlich die konzentrierteste, homogenste Album-Veröffentlichung seit - kein Scherz - „MSG" von 1991, und die ist damals neben Nirvana & Co. ja schon mehr oder weniger unter dem Radar gelaufen. Der Ton ist derselbe wie immer, die Melodielinien, die Schenker spielt, sind aber so geschmackvoll ausgearbeitet wie lange nicht mehr, und vor allem machen die vier beteiligten Sänger - Gary Barden, Graham Bonnet, Robin McAuley sowie Doogie White - das Ganze nicht zu einem einzigen Kuddelmuddel, sondern sorgen mit ihren befristeten Arbeiten dafür, dass das eh überraschend fokussierte Songwriting in den Refrains fast immer angenehm zum Höhepunkt kommt. Den Doublebass-lastigen, am Heavy Metal kratzenden Opener ´Heart And Soul´ finde ich trotz des Kirk-Hammett-Gastsolos (!) misslungen, ´Everest´ ist ein Stinker zwischendurch, und ´Messing Around´ klingt wie ´ne Tranquilizer-Version eines verworfenen AC/DC-Outtakes, mit ´Warrior´, ´Take Me To The Church´, ´The Girl With The Stars In Her Eyes´, ´Time Knows When It´s Time´ (geiler Schenker „Philosophie"-Titel!), ´Living A Life Worth Living´ und ´The Last Supper´ findet sich hier allerdings auch ein halbes Dutzend Hardrock-Hits, für das die meisten Nachwuchskollegen nicht nur ihre Omas verkaufen würden, und das Instrumental ´Salvation´ geht vielleicht nicht als Klassiker in die Annalen ein, wirkt aber keineswegs wie ein Füller, den man am Ende halt auch noch brauchte. Trotz der eher dürftigen Produktion inklusive Pröttel-Drums: „Resurrection" macht Spaß!

REVIEW 8.5 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

MAGNUM - Lost On The Road To Eternity

Ein wenig erinnert der unprätentiös-straighte „Lost On The Road To Eternity“-Opener ´Peaches And Cream´ an die „Goodnight L.A.“-Eröffnung ´Rockin´ Chair´, aber im Gegensatz zum (großartigen!) „amerikanischsten“ MAGNUM-Album (von 1990) präsentiert der 20. (!) Studio-Dreher der Briten schon ab dem wundervollen ´Show Me Your Hands´ an zweiter Stelle nahezu ausschließlich „klassische“ Tony-Clarkin-Kompositionen, gewohnt bombastisch und voller Pomp umgesetzt, dabei aber niemals ins Banale und Kitschige abdriftend - was MAGNUM nach wie vor kaum jemand nachmacht und diesmal noch erwähnenswerter als sonst erscheint, weil mit Drummer Harry James und vor allem Keyboarder Mark Stanway zwei wichtige abhanden gekommene Band-Säulen ersetzt werden mussten (Neu-Tastendrücker Rick Benton steuert sogar diverse gelungene eher ungewohnte Sounds bei, die immer wieder an Harold Faltermeyer erinnern). Ich bin ja generell kein Fan von allzu langen Alben, von den elf Songs hier mutet aber tatsächlich keiner überflüssig an, ein paar können sogar klipp und klar mit den großen Highlights im Katalog mithalten, das konzentrierte ´Storm Baby´, der brillante, extrem eingängige, mit liebevoll arrangierten Tobias-Sammet-Gast-Vocals aufgepeppte Titeltrack, die fast schon, nun ja, exaltierte Hymne ´Without Love´ oder das eher traurige als melancholische ´Glory To Ashes´ zum Beispiel. Die dem Digipak beiliegende Bonus-Live-CD mit vier Tracks (bitte zur oben stehenden Spielzeit dazuaddieren!) hätte es trotz ihrer Güte als Goodie gar nicht gebraucht, sie zeigt aber zusammen mit dem erneut einzigartigen Rodney-Matthews-Artwork, dass nicht nur MAGNUM selbst nach wie vor an MAGNUM glauben, sondern auch die dahinterstehenden Businesspartner. Schon jetzt eines der zwingenden Hardrock-Alben 2018!

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

DEADHEADS - This One Goes To 11

„Loadead“ von 2015 mutete in Sachen Songwriting - und nicht wegen der generell offeneren Herangehensweise - zumindest einen Ticken weniger konzentriert an als das 2014er Debüt „This Is Deadheads First Album (It Includes Electric Guitars)“, auf ihrer dritten, nun ja, abendfüllenden Visitenkarte, einmal mehr Applaus verdienend betitelt, bündeln die Schweden, bei denen der auch bei Spiders zockende Ex-Basser Olle Griphammer (hell fuckin´ yeah!) zurückgekehrt ist, jetzt ihre Stärken: Der Action Rock, der immer noch vor allem rabaukige Landsmänner wie die Hellacopters und Gluecifer zitiert, geht nicht nahezu ausschließlich auf die Zwölf wie beim Erstling, und die Hooklines sitzen besser als beim Vorgänger - und das nicht nur, wenn´s überraschend ruhig wird (´Too Lost To Be Found´), sondern auch im gut abgehangenen, selbstbewusst gelebten Midtempo, mittlerweile vielleicht sogar die größte Stärke der Band (´Somebody Along The Way´, das Album-Highlight ´2 Steps Before The Fall´). So richtig mag ja niemand mehr an ein echtes Revival des skandinavischen Rotzrock´n´Roll, der seine Blütezeit in den späten Neunzigern und frühen Nullern hatte, glauben, aber ein paar Bands halten die Fahne dann doch noch stilsicher hoch, neben „klassischeren“ Acts wie Robert Pehrsson´s Humbucker, Black Trip und Horisont zum Beispiel Imperial State Electric, die bockstarken Hard Action oder eben DEADHEADS - Letztere neuerdings tatsächlich wieder mit ernsthaftem Anspruch auf die Pole-Position...

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album des Monats, RH 369, 2018)

TRIBULATION - Down Below

Während Zompf Kupfer Frollein Malon jedes Mal schier rasend macht, wenn er, seine glänzende Rübe ins Damenbüro haltend, lediglich neckisch fragt, ob es sich bei TRIBULATION denn WIRKLICH um Vampire handelt, sind die Schweden bzw. ihre Plattenfirma im Presse-Info schon weiter: „Jugendstil-inspired Death“ ist ´ne Ansage, aber wenn man sich Gestus und Habitus, von der Musik ganz zu schweigen, von Jonathan Hultén & Co. ansieht, ist das ja nicht so weit weg von der Wahrheit, die Band hat bereits in (relativ) jungen Jahren eine eigene Aura entwickelt, sie ist - und das findet man nach wie vor sehr selten - deutlich mehr als die Summe ihrer Teile. Böse Zungen könnten nun nachfragen, ob die Songs des Vierers, das ist ein bisschen wie bei den Kumpels von Watain, denn eigentlich mit dem ganzen Brimborium mithalten, schließlich sucht man auf TRIBULATIONs Drehern immer noch den großen Hit, der den endgültigen Durchbruch bringt, der Opener ´The Lament´ ist da diesmal zumindest nahe dran mit seiner deutlichen Early-Moonspell-Schlagseite. Aber vielleicht sollte man halt einfach akzeptieren, dass man in Stockholm lieber Deathspell Omega als Theatre Of Tragedy sein will, wer könnte es ihnen verdenken. Das auflockernde Instrumental ´Purgatorio´ nimmt mich weniger mit als ´Själaflykt´, der Album-Höhepunkt von „The Children Of The Night“, der Rest auf „Down Below“ ist überraschend homogen, auch und gerade in seiner Qualität: Am krächzigen Gesang von Frontmann Johannes Andersson gibt´s nichts auszusetzen, aber es sind letzten Endes die toll akzentuierten Gitarren von Hultén und Adam Zaars, die ´Nightbound´, ´Subterranea´ oder ´Here Be Dragons´ auch über längere Zeit zu nahrhaftem Kraftfutter machen, in der Anmutung vielleicht zerbrechlich, im Kern aber hart wie ein Diamant. DISKOGRAFIE (Alben) The Horror (2008) The Formulas Of Death (2013) The Children Of The Night (2015) Down Below (2018) LINE-UP Johannes Andersson (v./b.) Adam Zaars (g.) Jonathan Hultén (g.) Oscar Leander (dr.)

REVIEW 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

GHOST - Ceremony And Devotion

Livealben interessieren heutzutage, wo ja schon Dreijährige in der Kita die letzte Lochis-Show auf Papas ollem iPhone gruppenstreamen, bekanntlich keine Sau mehr, aber bei ´nem On-stage-Mitschnitt von GHOST wird man dann doch ein bisschen fickerig. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Schweden, also Tobias Forge und ein paar austauschbare Spießgesellen halt, die vielleicht beste Band der Welt sind - und im Grunde auch so was wie ´ne modernere Version von Kiss, wobei Forge wohl von Anfang an keinen richtigen Bock darauf hatte, hundert Jahre lang irgendwelche Ace Frehleys und Peter Crisses durchzuschleppen. „Ceremony And Devotion“ jedenfalls geht mit seinen 17 smart und nicht allzu „klinisch“ in der ehemaligen Hippie-Hochburg San Francisco aufgenommenen Hits (selbst ´Spöksonat´ pfeift man als Die-hard ja willenlos mit!) problemlos als GHOSTs „Alive!“ durch und zeigt gebündelt einmal mehr, nee: mehr denn je die songwriterische Genialität von Papa Emeritus & Co., die sich mittlerweile irgendwo zwischen tendenziell kaputten Abba, herübergeretteten Beach Boys („Pet Sounds“, ihr Ungläubigen!) sowie verrockten Mercyful Fate eingependelt hat und nach wie vor ohne jede Konkurrenz ist. Und ich gehe sogar noch weiter: Wer ´Square Hammer´, ´Elizabeth´, ´Cirice´, ´He Is´, ´Ritual´ und ´Monstrance Clock´ in der Setlist hat, wollte ´Deuce´, ´Strutter´, ´Parasite´, ´Black Diamond´, ´Cold Gin´ und ´Rock And Roll All Nite´ noch nicht mal geschenkt! (Jetzt habe ich es mir mit Jaedike echt verschissen.) Egal: GHOST for Pope, GHOST for President! <3

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

WEDGE - Killing Tongue

Eventuell lehnt man sich ein bisschen arg weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass WEDGE es latent versemmelt haben und ihrem tollen selbstbetitelten Debüt von 2014 viel schneller einen Nachfolger an die Seite hätten stellen müssen, um noch ein ernsthaft erwähnenswertes Stück vom Retro-Rock-Kuchen abzubekommen, aber es ist ja sicherlich nicht ganz falsch: Mit einer etwas ambitionierteren Herangehensweise könnte das Berliner Power-Trio  heute da sein, wo die Brüder im Geiste Kadavar schon längst sind, denn ich höre hier qualitativ keinen Unterschied, vielleicht haben WEDGE sogar noch ein sichereres Gespür für die große Melodie, die auch Leute mitnimmt, die nicht jedes Jahr in ihrer Flokati-Weste übers Freak Valley schweben, das war bereits bei der ersten Visitenkarte so, und es ist auf „Killing Tongue“ nicht anders, wobei straightere Rocker wie ´Lucid´, ´High Head Woman´ oder der sich tief vor Deep Purple verbeugende Titelsong diesbezüglich nicht weniger reüssieren als deutlicher die Psych-Seite hervorkehrende Talentproben wie ´Quarter To Dawn´ oder ´Tired Eyes´. Vielleicht ist es aber auch völlig egal, denn in einer Stadt, in der es Frühstück eher bis 22 Uhr als frühmorgens gibt, hat man ja, solange es noch geht, besser ´ne gute Zeit als Eile, die Scheißmieten kann sich schließlich bald eh keiner mehr leisten, und in der Ruhe liegt die Kraft. „Wedge“ heißt „Keil“, wie das erste Werkzeug der Menschheitsgeschichte überhaupt, aber „primitiv“ ist hier nichts. „Archaisch“ trifft´s wohl besser.

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