Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 9.0 26.09.2018

(Album, RH 377, 2018)

MORNE - The Night Unknown

Was Neurosis seit etwa 15 Jahren nicht mehr schaffen, gelingt MORNE mit ihrem vierten Album scheinbar spielend. Die Bostoner vertonen Leid und Läuterung beispiellos ergreifend, überführen ihren eigentlich konventionellen Post-Sludge auf Epic-Metal-Terrain (Frontmann Milosz Gassan könnte sich für die Leads von ´Not Our Flame´ glatt an Solstices Meisterwerk „New Dark Age“ orientiert haben) und schreiben wie nebenbei echte Songs, die eben nicht weitschweifig und spannungsarm versanden. Sporadische Ausritte über den Crustcore-Acker (Tragedy, Bolt Thrower) und ein sphärischer Unterton machen „The Night Unknown“ endgültig zu einem Anwärter auf einen der Endjahres-Spitzenplätze. Eine Schande übrigens, dass die Band einen solchen Geniestreich in Eigenregie herausbringen muss bzw. will, denn das hier brauchen viel mehr Leute als die wenigen, die letztlich davon Notiz nehmen werden. 4 Fragen an MORNE-Frontmann Milosz Gassan: Milosz, bringt ihr euer neues Album bewusst nicht bei einer richtigen Plattenfirma heraus, oder wollte euch niemand? »Freunde haben vorgeschlagen, dass wir uns bei einem Label bewerben sollten, und es gab auch ein paar Angebote, doch uns fallen nur eine Handvoll Leute ein, auf die wir uns einlassen würden. Deshalb sind wir uns einig gewesen, das Album über unseren langjährigen Vertrauten Ben Barnett und Armageddon zu veröffentlichen, der schon unsere letzten beiden Alben auf Vinyl vertrieben hat. Nach so langer Zeit, in der wir eine Menge Energie in die Band gesteckt haben, ist uns klar geworden, dass wir genauso gut auch die geschäftliche Seite selbst übernehmen können. Außenstehenden hinterherzulaufen, ist mir zuwider, zumal man sowieso meistens enttäuscht wird. Andererseits will ich eine Zusammenarbeit mit anderen nicht ausschließen, bloß müssen es die Richtigen sein.« Wie beziehen sich der Titel der Scheibe und das Artwork aufeinander? Gibt es ein übergreifendes Konzept? »Mir schwebte von Anfang an ein Cover vor, das keine genauen Rückschlüsse auf die Musik zulässt. Gleichzeitig passt das Motiv aber sehr gut zum Inhalt und ist Metal-untypisch; die Mohnblumen strahlen eine ähnliche Düsterkeit und Schönheit aus wie die Songs. Ich hasse das Offensichtliche. Unsere Bekannte Hillarie Jason, die mit der Ästhetik der Band vertraut ist, hat die Fotos gemacht. Befrage mich jetzt aber nicht zu den Texten, die soll jeder für sich selbst interpretieren.« Man kann euch leicht in die Post-Metal-Schublade stecken, aber ihr hört auch viel traditionellen Doom, oder? »Echt? Ich weiß nicht, warum wir in diese Schubladen gesteckt werden. Ich meine, für mich sind Cathedral Doom, aber wir klingen kein bisschen nach ihnen. Am Ende ist mir egal, wie man uns nennt; es ist einfach nur emotionale Musik, fertig.« Du sagst es selbst: MORNE sind schon eine Weile unterwegs. Wohin wollt ihr langfristig? »Wir machen weiter wie gehabt und versuchen dabei, unser Bestes zu geben, ohne einen Tunnelblick zu bekommen. In erster Linie gehören diese Musik, diese Texte und die Visionen dahinter uns. Falls das sonst jemanden interessiert und er sich davon berührt sieht, schmeichelt uns das, doch wir würden so oder so nichts daran ändern.«

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos