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REVIEW 8 29.03.2021, 17:17

(Dynamit, RH 406, 2021)

SMITH/KOTZEN - Smith/Kotzen

Auf die Paarung von Jungfrau Adrian Smith und Richie Kotzen, die sich hier über die Distanz von neun Stücken die Gitarren- und Bassarbeit sowie die Leadvocals teilen, muss man auch erst mal kommen. Der amerikanische Saitenvirtuose Kotzen wurde einst vom Gitarristen-Guru Mike Varney (Shrapnel Records) entdeckt (und stellte seine Künste auch schon mal in den Dienst von Poison und Mr. Big), während Adrian Smiths Werdegang keiner weiteren Erläuterung bedarf. Beide trafen sich in der Sonne auf den Turks- und Caicosinseln, um ihrer gemeinsamen Liebe zum Blues und Classic Rock englischer Prägung zu frönen. Dem Material liegt keinerlei kommerzielles Kalkül zugrunde (womöglich hat Smith während der Recordings auch die Gelegenheit genutzt, um neue Angelgebiete zu erschließen). Und das hört man Stücken wie dem packenden Bluesrocker 'Scars' oder 'Solar Fire' (mit einem sich in Understatement übendem Nicko McBrain als Gast am Schlagzeug) auch deutlich an. Einen wirklichen Überflieger gibt es unter den neun Kompositionen nicht, die Single 'Taking My Chances' zählt tatsächlich zu den am leichtesten zugänglichen Nummern der Platte. Smiths Gitarrenspiel ist erdiger, seine Vocals sind rauer als die von Kotzen, dessen amerikanische Prägung immer wieder durchscheint. Insgesamt ergibt dies eine schöne Symbiose, allerdings ist man vom Klassiker-Potenzial ein Stück weit entfernt. Auch wenn der Vergleich hinken mag: Anhänger des Maiden-Gitarristen sind mit SMITH/KOTZEN besser bedient als mit seinen vorherigen Projekten A.S.A.P. und erst recht Psycho Motel.

REVIEW 8.5 29.03.2021, 17:17

(Album, RH 406, 2021)

BLAZE BAYLEY - War Within Me

Das Stehaufmännchen des Heavy Metal ist zurück: hard working man BLAZE BAYLEY. „War Within Me“ heißt sein elftes Studioalbum, und wie immer ist das gesamte Projekt in Eigenregie entstanden. Bayley hat die tiefsten Täler des Lebens durchschritten und ist gestärkt aus der daraus resultierenden Sinnkrise hervorgegangen. Als Resultat versprüht „War Within Me“ in schwierigen Zeiten eine ansteckende positive Energie. Nach der „Infinite Entanglement“-Trilogie zeigt sich der ehemalige Maiden-Sänger auf dem neuen Album nicht durch ein einheitliches Konzept eingeengt (auch wenn die aufeinander folgenden ´The Dream Of Alan Turing´, ´The Power Of Nikola Tesla´ und ´The Unstoppable Stephen Hawking´ einen inhaltlichen Faden aufweisen). Der Platte tut es gut, dass Bayley und Band frei aufspielen können. ´War Within Me´ ist ein Uptempo-Opener wie aus dem (Maiden-)Lehrbuch. Woanders geht es dagegen wesentlich mehr in die Tiefe, etwa bei ´The Unstoppable Stephen Hawking´ mit seinem galoppierenden Basslauf. Ein weiteres Highlight ist ´Witches Night´, das durch eingängige Melodieführung und einen interessanten Spannungsbogen überzeugt. Mit dem abschließenden ´Every Storm Ends´ beweist Blaze zudem ein weiteres Mal, dass er auch Balladen singen kann. Wenn es einen Kritikpunkt geben sollte, dann ist es die Tatsache, dass Bayley manchmal ein wenig überambitioniert agiert und versucht, zu viel Text auf zu wenig Musik zu verteilen. Aber dieses Manko findet sich freilich auch in der einen oder anderen Steve-Harris-Nummer - womit sich ein Kreis schließt.

REVIEW 9.0 24.02.2021, 08:00

(Dynamit, RH 405, 2021)

ALICE COOPER - Detroit Stories

Es mag wie eine Plattitüde klingen, wenn man behauptet, dass es niemandem so gut gelingt, sich immer wieder neu zu erfinden, wie Großmeister ALICE COOPER. Aber tatsächlich ist das neue Album „Detroit Stories“ geradezu ein perfekter Anker für den gebürtigen Autostädter, um noch einmal sein gesamtes musikalisches Spektrum auszuleuchten. Die „Breadcrumbs“-EP von 2019 bot bereits einen gewissen Vorgeschmack, jetzt also das vollständige Album mit satten 15 Songs (und einer ganzen Menge helfender Hände). Wo soll man bloß anfangen? Vielleicht gleich beim Opener. Als Eröffnungsstück hätte womöglich auch die Neuaufnahme von ´Detroit City´ ganz gut funktioniert. Letztendlich fiel die Wahl freilich auf ´Rock & Roll´ aus der Feder von The Velvet Underground, eine von gleich drei Coverversionen des Albums (die anderen beiden sind ´Sister Anne´ von MC5 sowie am Ende ´East Side Story´, ein ganz früher Song aus der Feder von Bob Seger). Bei ´Hail Mary´ und vor allem ´Shut Up And Rock´ wird so gerockt, wie wir das etwa von „Trash“ kennen - vielleicht nicht ganz so bubblegum-süßlich. ´Go Man Go´ und ´I Hate You´ lassen eindeutig die Handschrift von Wayne Kramer erkennen, zwei packende Ausflüge in Proto- respektive ´77-Punk-Gefilde. Das zum Schmunzeln anregende ´Independence Dave´ klingt wie eine Kreuzung aus ZZ Top und der „Rocky Horror Picture Show“, während ´Drunk And In Love´ ein herrlich abgefuckter Blues-Rocker (allerdings mit lyrischem Tiefgang) ist - hier blüht die Kunstfigur ALICE COOPER richtig auf. Mit ´$1,000 High Heel Shoes´ geht man sogar noch einen Schritt weiter, indem R&B mit Soul und Funk kombiniert wird, es gibt eine ganze Menge Blech um die Ohren. Im Gegensatz dazu kommt ´Hanging On By A Thread (Don´t Give Up)´ gänzlich ohne Pauken und Trompeten aus, der Hoffnungsmacher zur Covid-19-Pandemie. Aber Balladen konnte Alice ja schon immer gut. Wie schon im Falle von Deep Purple ist auch bei „Detroit Stories“ der Einfluss von Bob Ezrin nicht hoch genug einzuschätzen. Der gebürtige Kanadier hat nicht nur das Klangkostüm der Platte entworfen, sondern auch am Konzept mitgefeilt und aktiv zum wirklich herausragenden Songwriting beigetragen.

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