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REVIEW 8 19.12.2018, 08:00

(Album, RH 380, 2018)

VENOM - Storm The Gates

Mittlerweile auch schon wieder zehn Jahre führt Cronos die „neue“ VENOM-Besetzung mit Rage und Dante an. Den einen oder anderen Semi-Klassiker, etwa 'Long Haired Punks', haben die letzten beiden Studioalben durchaus zutage fördern können. Und auch „Storm The Gates“ geht als ziemlich passabel durch. Es mag sich zwar komisch anhören, wenn man ein neues VENOM-Album als „aufs Wesentliche reduziert“ beschreibt, aber genau dieser gewollte Minimalismus (inklusive Cronos-Produktion und einem extrem billig aussehenden Computergrafik-Cover) schlägt die Brücke zum unsterblichen Frühwerk der dreisten Drei. 'Bring Out Your Dead' ist ein Einstand nach Maß. Im Jahre 2018 sind VENOM natürlich mehr Punk'n'Roll als Black Metal, mehr Warfare als Mayhem, aber wer hat jemals etwas anderes behauptet? Auffällig ist, dass sich das Gros der 13 Nummern im Midtempo-Bereich (oder sogar darunter) bewegt, neue Geschwindigkeitsrekorde bricht „Storm The Gates“ jedenfalls nicht. Ein paar Stücke (etwa 'Notorious' oder 'Beaten To A Pulp') sind ein wenig konturlos, dafür entschädigen allerdings Brecher wie 'I Dark Lord', das mit ein wenig Fantasie als legitimer Nachfolger von 'Countess Bathory' durchgeht. '1000 Days In Sodom' kontert Cronos hier stilecht mit '100 Miles To Hell' aus, das schleppende 'Destroyer' wildert bei 'Warhead'. 'The Mighty Have Fallen' lässt zur Abwechslung mal die Tachonadel tanzen, während Rage sein Wah-Wah-Pedal zum Glühen bringt. 'Dark Night Of The Soul' hört sich wahlweise wie eine (ungewollte) Danzig-Parodie oder ein Toy-Dolls-Cover an. Wer VENOM liebt, wird „Storm The Gates“ schnell in sein Herz schließen. Allen anderen ist eh nicht mehr zu helfen.

REVIEW 7.5 21.11.2018, 08:00

(Album, RH 379, 2018)

CONVENT GUILT - Diamond Cut Diamond

Die Beschreibung NWOBHM (in Worten: New Wave Of BRITISH Heavy Metal) wird derzeit leider inflationär oft gebraucht. Der Einfachheit halber werden dann auch schon mal australische Newcomer-Bands in diese Kategorie eingeordnet. Aber CONVENT GUILT aus Sydney sollte man das nicht anlasten. Bereits ihr Debüt „Guns For Hire“, das mittlerweile auch schon wieder vier Jahre zurückliegt, hatte bewiesen, dass die vier Aussies das Herz am richtigen Fleck tragen. Und auch „Diamond Cut Diamond“ trifft wieder ziemlich genau meinen Geschmack, was allerdings nicht heißt, dass die sieben Stücke in geschliffener Perfektion daherkommen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die gesamte Platte ziert der oft zitierte Charme des Unfertigen. Unter der rauen Oberfläche verbirgt sich allerdings ein hohes kreatives Potenzial (das weit über das Tragen von Streifenhosen und Retro-Shirts hinausgeht). Sänger Ian liegt mit seiner nasalen Stimme gerne mal ein wenig daneben, besitzt aber zweifelsohne eine originelle Stimmfarbe, die hier und da an die britischen Quartz erinnert. Songs wie ´Howling Vengeance´ oder ´Born To Trouble´ sind ausgesprochen simpel gestrickt, bestechen aber durch ihren kauzigen Charakter sowie eine leichte Prise Lizzy-Folk. Irgendwie gleichen CONVENT GUILT in ihren ersten musikalischen Gehversuchen den englischen Wytch Hazel, indem sie Originalität über musikalische Perfektion stellen.

REVIEW 21.11.2018, 08:00

(Buch, RH 379, 2018)

HEIKE WAHNBAECK: Komm nach Hagen, werde Popstar, mach dein Glück!

Nicht Wolfsburg. Auch nicht West-Berlin. Ausgerechnet Hagen, hart am Rande des Ruhrgebiets gelegen, entwickelte sich in einem kleinen Zeitfenster zwischen Mitte der siebziger Jahre bis zum Aufkeimen der Neuen Deutschen Welle zur heimlichen Musikmetropole des Landes. Die Bezeichnung als das Liverpool Deutschlands machte die Runde in Hagen, das sich seit jeher zu groß für eine Kleinstadt, aber zu klein für eine Großstadt angefühlt hat. „Hart wie Marmelade“ eben. Auf 352 Seiten mit über 1.000 Abbildungen erfährt man alles über die Musikszene der Stadt, von Veranstaltungsorten über Kneipen bis hin zu ortsansässigen Produktionsfirmen und Managements. Natürlich bilden die damals aktiven Bands das Herzstück des Schmökers, etwa The Ramblers oder The Stripes (mit Gabriele Kerner alias Nena am Gesang). Quasi als inhaltliche Klammer beinhaltet die Anthologie ausführliche Mini-Autobiografien der zwei wichtigsten Hagener Rockformationen überhaupt: Grobschnitt und Extrabreit. Ausführlich zu Wort kommen aber auch die Drahtzieher hinter den Kulissen wie etwa Ulli Wiehagen, der von Hagen aus im Jahre 1983 mit „Desaster“ zum ersten Mal ein Metal-Magazin mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren über den Bahnhofsbuchhandel landesweit in den Vertrieb gebracht hat. „Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück!“ ist als flankierender Ausstellungskatalog konzipiert, nach der Lektüre weiß ich jedenfalls mehr über die Musikszene Hagens als von meiner eigenen Heimatstadt. Ein größeres Kompliment kann man den Machern wohl kaum ins Muttiheft schreiben.

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