Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 9.0 23.10.1996

(Dynamit, RH 114, 1996)

NEVERMORE - The Politics Of Ecstasy

Nicht ganz so eingängig wie das überragende Debüt 'Nevermore' und das kürzlich veröffentlichte Minialbum 'In Memory' ist sie ausgefallen, die dritte Scheibe der Seattle-Power-Metaller. Doch was beim ersten Durchlauf etwas sperriger und komplizierter als erwartet klingt, entpuppt sich nach kurzer Gewöhnungsphase als technisch höchst anspruchsvolles Konzeptalbum, das musikalisch bewußt komplex gehalten wurde. Schon der knapp achtminütige Titelsong bietet alle NEVERMORE-typischen Facetten und verlangt dem Hörer einiges ab, erst nach und nach erschließen sich die durchdachten Arrangements, und Songs wie der Opener 'Seven Tongues Of God', 'This Sacrament' oder 'The Learning' (eine weitere Nummer mit Überlänge) entwickeln sich zu echten Ohrwürmern. Die Gitarren liefern sich beeindruckende Duelle, die Rhythmsection reiht ein Hammerbreak ans andere, und Sänger Warrel Dane brilliert wie gewohnt in allen erdenklichen Stimmlagen. Das inhaltliche Konzept ('die Einschränkung der persönlichen Freiheiten, die Politiker gegenüber ihrem Volk mehr und mehr vornehmen') ist im Grunde nichts anderes als ein roter Faden, der die Songs locker miteinander verbindet. Erwartet also keine komplizierten Rechenspielchen à la King Diamond oder ausgetüftelte Stories der Marke Queensryche/Savatage. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der äußerst abwechslungsreichen Musik, die ohne weiteres für sich alleine stehen kann. Eindeutiges Fazit: Nach dem traurigen Ende von Metal Church (falls Kurdt Vanderhoof recht behält) ist eine Band wie NEVERMORE um so unverzichtbarer. Power Metal rules!

REVIEW 9.5 25.01.1995

(Dynamit, RH 93, 1995)

NEVERMORE - Nevermore

Ich bin sicherlich nicht der einzige, der auch heute noch oft und gerne die beiden Sanctuary-Kult-Klassiker "Refuge Denied" und "Into The Mirror Black" in den CD-Player schiebt - und dem dabei vor Begeisterung fast die Tränen in die Augen kommen, weil diese Zeiten endgültig vorbei zu sein scheinen. Sind sie aber zum Glück doch noch nicht, denn Ausnahmesänger Warrel Dane hat zusammen mit Basser Jim Sheppard eine neue Band um sich gescharrt, die den Geist von Sanctuary fortleben läßt. Zwar fehlen hier die genialen Gitarristen/ Songwriter Lenny Ruthledge und Sean Blosl, aber ein gewisser Jeff Loomis, der bei NEVERMORE die Klampfen im Alleingang bedient (und schon das letzte Sactuary-Line-up mitgestaltete) schafft es, die Lücke nahezu komplett zu schließen. Zusammen mit den übrigen Muckern (Drummer Van Williams komplettiert das Quartett) komponierte er einige herausragende, höchst melodische und doch aggressive Power Metal-Sahnetörtchen, die den Teppich für Warrels unvergleichliche Vokal-Akrobatik liefern. Und daß dieser überhaupt nichts von seiner Klasse eingebüßt hat, demonstriert er ausgiebig. Schon bei seinen ersten Tönen im rhythmischen Opener 'What Tomorrow Knows' setzt beim Hörer automatisch die Gänsehaut ein. Kaum ein anderer Sänger hat ein derart ausgeprägtes Gespür dafür, verschiedene Stimmungen und Emotionen innerhalb der Songs perfekt wiederzugeben - und kaum jemand hat die passende Stimme dafür. Warrels Organ hingegen scheint in den letzten Jahren noch variabler geworden zu sein. Doch auch die Stücke selbst halten dieses Niveau. Mal klingen NEVERMORE verträumt-romantisch ('The Sanity Assassin'), mal wütend und aggressiv ('Sea Of Possibilities'), dann wieder komplex-verspielt ('Timothy Leary') oder extrem simpel und eingängig ('C.B.F.'). Kein einziger Ausfall ist also zu vermelden, und nur die Tatsache, daß diesmal noch kein alles überragender Hit à la 'Battle Angels', 'Future Tense' oder 'Revenge' dabei ist, hält mich davon ab, die Höchstnote zu vergeben. Trotzdem: Wer als Power Metal-Fan in Zukunft mitreden möchte, muß diese Scheibe im Schrank stehen haben.

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos