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REVIEW 8.5 01.09.2021, 08:00

(Album des Monats, RH 411, 2021)

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - Aeromantic II

„Amber Galactic“ und „Sometimes The World Ain´t Enough“ sind Melodic-Rock-Meilensteine, die selbst neben den Genre-Klassikern der Achtziger locker bestehen können. Beim letztjährigen Album „Aeromantic“ machten sich jedoch leichte Abnutzungserscheinungen bemerkbar - nicht zuletzt, weil es mit einigen eher mittelmäßigen Songs unnötig aufgebläht wurde. Auch „Aeromantic II“, das übrigens keinen echten Bezug zu Teil eins hat, hat teils damit zu kämpfen. Das eine oder andere kommt einem in ähnlicher Form schon bekannt vor, und nicht alle Hooklines zünden; zudem schränkt der pappige Schlagzeugsound die Dynamik des Klangbilds unnötig ein. Aber, liebe AOR-Hooligans, das alles ist Jammern auf verdammt hohem Niveau, denn die Ausnahmeklasse der schwedischen Allstar-Band kommt immer noch hinlänglich zur Geltung. So reißt einen die schwungvolle Single ´Burn For Me´ mit ihrer unbändigen Spielfreude, einem packenden Refrain sowie munter klimperndem Honky-Tonk-Piano unweigerlich mit. Ähnlich hochklassig geriet ´Midnight Marvelous´ mit tollem Gitarren-Lick und atmosphärischem Bass/Keyboard-Break. Mut zu Disco zeigen ´White Jeans´ (galoppierender Dschinghis-Khan-Beat und ganz feine Gesangsmelodien) sowie ´You Belong To The Night´ (asiatisch angehauchte Keyboard-Klänge und reichlich Achtziger-Feeling). Apropos: Das etwas an Michael Jackson erinnernde ´Zodiac´ sowie die Neue-Deutsche-Welle-Hommage ´How Long´ tragen ebenfalls völlig ungeniert schrill glitzernden Pop-Appeal zur Schau und übertragen ihn mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit in den Rock-Kontext. Also klappt die Rückenlehnen nach hinten, lasst euch von den beiden Flugbegleiterinnen Champagner servieren und genießt den Flug. Chin-chin!

REVIEW 9.0 01.09.2021, 08:00

(Dynamit, RH 411, 2021)

BRAINSTORM - Wall Of Skulls

VÖ: 17.09. Nach vielen Jahren, in denen BRAINSTORM zumeist nur als Geheimtipp unter dem Radar flogen, konnten sie mit ihrem letzten Album „Midnight Ghost“ endlich den verdienten Erfolg feiern. Kein Wunder, dass „Wall Of Skulls“ den 2018 eingeschlagenen Weg mit Produzent Seeb Levermann (genau, der Orden-Ogan-Onkel) konsequent weitergeht und mit moderat modernisiertem Sound sowie gestrafftem Songwriting einen stilsicheren Brückenschlag zwischen den Hörgewohnheiten älterer und jüngerer Hörer schafft. Die unfreiwillige Corona-Pause hat dabei gleich zwei positive Effekte gehabt: Zum einen hat die angestaute Energie ein Ventil benötigt, sodass der Anteil der schnellen Songs diesmal besonders hoch ausgefallen ist (exemplarisch sei der herausragende Doublebass-Brecher ´Where Ravens Fly´ genannt), und zum anderen hat Andy B. Franck die zusätzliche Zeit dazu genutzt, viele bereits fertige Passagen noch mal im Detail zu verbessern und neu einzusingen - und zwar mit Erfolg. Die kitschfreien Gesangslinien sind raffiniert aufgebaut und führen mehrheitlich zu fantastischen, hymnenhaften Refrains, allen voran beim epischen Singalong ´Glory Disappears´ (ich sehe vor meinem geistigen Auge bereits das komplette Publikum mit weit ausgebreiteten Armen mitsingen) sowie den knallharten ´My Dystopia´ und ´Stigmatized (Shadows Fall)´. Als Sahnehäubchen gibt es mit Peavy von Rage und Seeb (siehe oben) noch zwei Gastsänger, die bei ´Escape The Silence´ und ´Turn Off The Light´ (geiles Riff im Prieschd-Stil!) Andy mit ihren prima passenden Stimmen ideal ergänzen. Angesichts der bärenstarken Diskografie ist es schwer, das beste Album der Schwaben zu küren, aber ich würde mich zu der Aussage hinreißen lassen, dass BRAINSTORM es mit „Wall Of Skull“ abgeliefert haben. So geht Power Metal!

REVIEW 9.0 28.07.2021, 08:00

(Album, RH 410, 2021)

CROBOT - Rat Child

Wer unsere Online-News verfolgt, kennt diese EP weitgehend, denn im Vorfeld haben CROBOT bereits drei wunderbar trashige Videos dazu lanciert. Gleich zum Einstieg sticht die stark an Queen angelehnte Bombast-Ballade ´Everyone Dies´ heraus, die das Zeug zu einem James-Bond-Titelsong hat und bei der Steel-Panther-Drummer Stix Zadina am Piano glänzt. Prominente Unterstützung bekommt die Band aus Pennsylvania auch bei den beiden folgenden Retro-Rock-Hits: Howard Jones (Light The Torch) veredelt mit seiner Stimmgewalt die letzte Strophe des funky Power-Groovers ´Kiss It Goodbye´, und Anthrax´ Frank Bello treibt mit packender Verve den Beat von ´Mountain´ (Thin Lizzy meets Mastodon) voran. Der bisher noch unbekannte Titelsong, lässig angeschoben von einem an die „Seinfeld“-Titelmelodie erinnernden Slap-Bass-Lick, ist ebenfalls ein Volltreffer, der sich auch auf Mother Love Bones Geniestreich „Apple“ wohlfühlen würde. Apropos: Checkt auf YouTube die Coverversion von Temple Of The Dogs ´Hunger Strike´! CROBOT präsentieren mit dieser EP keinen Lückenfüller, sondern ein beeindruckendes Statement ihres Talents. Hier rocken sich die Jungs um den sympathisch durchgeknallten Derwisch und Chris-Cornell-Soundalike Brandon Yeagley irgendwo zwischen Classic Rock und Sub Pop (besonders frühe Soundgarden und Big Chief) in die Champions League - und dafür verdienen sie so viel Text und neun Punkte, auch wenn EP-Reviews normalerweise kurz gehalten werden. So!

REVIEW 30.06.2021, 08:00

(Album, RH 409, 2021)

DIE KRUPPS - Songs From The Dark Side Of Heaven

Albumtitel und Artwork sind unverkennbar an Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“ angelehnt, obwohl auf diesem Coveralbum gar kein Song der britischen Legende berücksichtigt wird. Die Auswahl der Vorlagen zeigt dennoch gut den musikalischen Background von Mastermind Jürgen Engler. Sie reicht von New Wave und Industrial über Punk bis Classic Rock, wobei in den sehr markanten DIE KRUPPS-Interpretationen die Genregrenzen fließend verschwimmen, wie z.B. ´Chinese Black´ von The Neon Judgement mit 69-Eyes-Sänger Jyrki zeigt. Apropos: Mit Ross The Boss (ex-Manowar), James Williamson (The Stooges) und Paul Ferguson (Killing Joke) gibt´s weitere prominente Gastmusiker zu hören. Von diesen Namen sollte man sich jedoch nicht zu sehr blenden lassen, denn „Songs From The Dark Side Of Heaven“ ist insgesamt deutlich elektronischer als die letzten Studioalben ausgefallen; die Gitarre kommt deutlich seltener, dann allerdings umso prätentiöser zum Einsatz. Mit dem treibenden Analog-Synthie-Donner und dem eiskalten Stahlofon hört man dennoch sofort, welche Band hier zu Werke geht. DIE KRUPPS schaffen es, mit ihrem Signature-Sound fremde Hits zu ihren eigenen zu machen - und dann ergibt ein solches Coveralbum wie schon 1992 „A Tribute To Metallica“ durchaus Sinn. 3 Fragen an DIE KRUPPS-Mastermind Jürgen Engler: Jürgen, unter welchen Aspekten hast du die Coverversionen ausgewählt? »Das generelle Rahmenkonzept des Albums war der Tod, passend zur Pandemie. Es sollte Songs von bereits verstorbenen Musikern beinhalten, aber auch Stücke über verstorbene Personen wie ´Marilyn Dreams´ und Texte, die vom Thema Tod handeln wie ´(Don´t Fear) The Reaper´. Außerdem war es bei der Auswahl der Songs wichtig, dass sie nicht nur thematisch zum Konzept passen, sondern sich auch musikalisch - wie ich es nenne - „verkruppsen“ lassen. Die erste Single ´Chinese Black´ wurde nicht von ungefähr gewählt, wobei das kein Seitenhieb auf China sein soll, denn schuld an der Pandemie sind schlichtweg wir alle. Es war absehbar, dass sich irgendwann ein Virus entwickeln und global verbreiten würde. Das war auch Teil meiner Vision, mit der sich unser letztes Album „Vision 2020 Vision“ beschäftigt.« Inwieweit waren die Bandkollegen in die Umsetzung eingebunden, und wie liefen die Aufnahmen? »An der Entstehung war die Band nicht beteiligt, aber ich habe ihren Segen. Es sind lediglich Gäste auf dem Album vertreten.« Apropos: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den vier Gastmusikern? Gerade Ross The Boss ist ja eine echte Überraschung. »Was viele gar nicht wissen: Ross war vor Manowar in der Proto-Punk-Band The Dictators, die in den Siebzigern die Stranglers auf deren zweiter England-Tour supportet haben. Deswegen habe ich ihn für ´No More Heroes´ angefragt, und er meinte, dass er die Nummer noch im Schlaf spielen kann. Zu seinen Gitarrenparts gab es auch noch Anekdoten aus der Zeit. So hat er z.B. Billy Idol und Mick Jones von The Clash ins ausverkaufte Stranglers-Konzert verholfen, indem er die Jungs durch das Backstage-Fenster reingezogen hat. Außer Ross ist auch Paul Ferguson von Killing Joke als Gast dabei. Er hatte mich gefragt, ob ich zu seinem Soloalbum Vocals beisteuern würde, und ich habe seine Einladung nun erwidert. Des Weiteren ist James Williamson von Iggy Pop And The Stooges am Start, mit dem ich kürzlich an einem Song für Arthur Brown gearbeitet habe.« (ms)

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