Interview

Interview 17.09.2021, 16:01

BADFLOWER - Bitte hasst uns nicht!

Nach dem Senkrechtstart mit ihrem Debütalbum haben die US-Amerikaner BADFLOWER nun neues Material in der Pipeline. Den kommenden Langspieler namens „This Is How The World Ends“ nehmen wir als Anlass, um mit Leadsänger und Gitarrist Josh Katz zu plaudern. Im Interview gibt uns der etwas hibbelige Fronter auch mal mit einem Schmunzeln auf den Lippen einen Einblick in die Entstehung der Songs, spricht aber auch über Erwartungshaltungen und Emotionen.

Hi Josh, wie geht’s dir und wie läuft es gerade bei euch in der Band?
»Hi! Uns geht es allen gut, wir sind im Moment tatsächlich am Proben und ich mache schon den ganzen Tag Interviews im Proberaum. Super unhöflich von mir, weil jeder versucht zu arbeiten und ich mitten im Raum sitze und mich unterhalte, während die anderen spielen und arbeiten wollen (grinst). Ansonsten erhole ich mich gerade noch von einer Kehlkopfentzündung und hoffe, dass ich schnell darüber hinwegkomme.«

Oh je! Hoffentlich bist du bald wieder fit, damit du wieder auf die Bühne kannst. Ich habe gehört, dass ihr bereits erste Konzerte spielen konntet. Wie war es, endlich wieder auf der Bühne zu stehen und das vor Publikum?
»Es war genau so, wie du es dir vorstellen würdest. Es war wirklich großartig. Mittlerweile fühlt es sich normal an, da wir kürzlich bereits einige Shows spielen konnten.«

Ach, schön. Ihr steht kurz davor, euren zweiten Langspieler zu veröffentlichen. Wie fühlt es sich an, gerade im Hinblick darauf, dass euer Debütalbum so gut ankam? Worauf hofft ihr?
»Ich hoffe nur, dass die Leute uns nicht hassen. Ehrlich: Ich würde die Leute noch nicht einmal darum bitten, dass sie es lieben. Ich denke, ich will einfach nur, dass sie es verstehen, respektieren und würdigen, was wir abgeliefert haben. Ja: Bitte hasst uns einfach nur nicht, dann ist alles ok.«

Für die Leute, die euch noch nicht kennen – was sie natürlich schleunigst ändern sollten – lautet meine Frage an dich: Wie würdest du BADFLOWER in drei Worten beschreiben?
»Frech, emotional, sarkastisch.«

Alles klar. Ich bin neugierig: Woher stammt euer Bandname?
»(Lacht.) Wenn deine Band am Anfang steht und es um den Bandnamen geht, fängst du einfach an, auf alle Dinge im Raum zu zeigen. Lasst uns Zimmerdecke nennen oder Fußboden oder wie wäre es mit T-Shirt? Joey (Morrow), mein Gitarrist, und ich waren damals noch zu zweit, wir hatten die anderen Mitglieder noch nicht, und irgendwie ist etwas Dummes in einer Unterhaltung passiert. Wir haben die beiden Wörter zusammengefügt und das war es. Es gibt wirklich keine tiefere Bedeutung. Einige Leute denken zwar, dass da eine tiefere Bedeutung ist, aber es hat sich einfach nur cool angehört.«

Man weiß ja nie. Es gibt die verschiedensten Herangehensweisen, wie man zu einem Bandnamen kommt.
»Wir haben alle tiefgründigen Bedeutungen in die Lyrics gepackt. Solange es um den Bandnamen geht, kümmert uns das nicht.«

Ok. Wenn du schon die Lyrics und damit die Musik ansprichst: Würdest du sagen, gibt es einen Unterschied vom ersten Album „OK, I’m Sick“ zum zweiten Langspieler? Habt ihr euch verändert?
»Ich würde sagen, der Songwriting-Prozess hat sich überhaupt nicht verändert. Wenn sich etwas verändert hat, dann haben wir ihn etwas geupdatet und verbessert. Ich denke, wir werden immer besser. Aber sicherlich hat sich der Zustand der Welt und darüber hinaus mein mentaler Zustand sowie mein genereller Lifestyle verändert. Das hat sich auf die Themen ausgewirkt. Für mich hört sich das Album nach einer aktualisierten Version von „OK, I’m Sick“ an. Es ist mein Leben und meine Sicht auf die Dinge, aber die Leute könnten das sehr anders wahrnehmen. Ich bin mir nicht sicher, wie die Menschen das Album aufnehmen werden. Wir sind uns unserer Identität aber sicherer als zuvor und auch selbstbewusster.«

Wann habt ihr das Album aufgenommen? War das noch vor der Pandemie oder währenddessen?
»Es war beides. Wir haben vor der Pandemie angefangen und den Großteil der Songs währenddessen fertiggestellt.«

Ich frage, weil sich der Titel „This Is How The World Ends“ sehr dystopisch anhört. Was war die Idee dahinter und stand der Titel schon vorher fest?
»Er fühlte sich an wie eine eigene Floskel, die Sinn für das Album machte. Und er ist Teil der Lyrics eines Songs. Der Titel ist nicht übermäßig spezifisch: Es geht nicht um die Pandemie, es geht um nichts Bestimmtes. Vielmehr geht es um die allgemeine Stimmung und den Zustand der Welt.«

Woher nimmst du deine Ideen und Inspiration für neue Musik?
»Die Ideen tauchen einfach auf. Ich konnte noch nie über etwas schreiben, wo ich das Gefühl nicht hatte, unbedingt darüber schreiben zu müssen. Normalerweise ist es also etwas, was ich auf dem Herzen habe, was direkt vor meiner Nase ist oder auch ein weltweites Ereignis. Was auch immer es ist, ich kann einen Song gewiss nicht fertigstellen, außer wenn mir das wirklich wichtig ist, was ich sagen will. Die Inspiration kommt also von woher auch immer. Es ist aber immer etwas, das mir in irgendeiner Weise wichtig ist.«

Verstehe. Auch wenn es vielleicht eine gemeine Frage ist: Hast du einen Lieblingssong oder einen Track, den du gerne mal live spielen möchtest?
»Wir haben einige noch nicht live gespielt und sind begeistert, bestimmte Songs davon live zu spielen. Es ist wirklich schwierig, einen Liebling zu wählen, aber ich liebe wirklich ‚Only Love‘. Das ist einer meiner Favoriten. Es ist merkwürdig: Wir als Band sind bekannt dafür, intensiv zu sein und Dinge zu sagen, die sehr konfrontierend sind und die Leute nicht aussprechen wollen – wir sagen es aber. Und obwohl ich sehr stolz darauf bin, das zu tun, finde ich, dass die Songs besonders sind, die eben nicht so sind. Solche, die süß sind und softer, emotionaler. Die, die dich einfach etwas Heftiges fühlen lassen. Und ‚Only Love‘ ist die Aufnahme, die mich am meisten etwas fühlen lässt. Das ist der Grund, warum es mein Lieblingssong ist. Auf „OK, I’m Sick“ war es ‚Promise Me‘ und als wir den Song veröffentlicht haben, meinten einige unserer Fans, dass sich der Song anhören würde, als wollte das Label, dass wir den Track rausbringen. Aber dieses Lied bin so sehr ich und was ich liebe. Tatsächlich musste ich dafür kämpfen, dass es eine Single wird, weil es nicht heavy genug war. Das ist aber eben nicht alles, was wir machen und es ist natürlich auch nicht alles, was ich bin. Ich mag solches Zeug. Von daher ist ‚Only Love‘ mein Liebling der neuen Platte.«

Für mich scheint das neue Album weniger heavy als mehr emotional zu sein und dabei ist es nicht allzu positiv eingestellt, vielmehr setzt ihr euch mit negativen Emotionen auseinander.
»Ja, leider ist das alles negativ. Aber das ist einfach das, was wir machen. Ich bin nicht gut darin, fröhliche Songs zu schreiben (lacht und verschiebt verlegen die Cap auf seinem Kopf). Vielleicht war ich nie lange genug glücklich, um einen fröhlichen Song zu schreiben. Ich habe immer den Eindruck, dass sie nicht echt sind. Ich vermute, ich versuche es auch nicht wirklich. Ich schreibe einfach, was Sinn für mich macht und die Songs werden alle trostlos und traurig. So ist es einfach.«

Schreibst du alles alleine?
»Das kommt darauf an. Die Lyrics schreibe ich alleine und bei der Musik arbeiten wir zusammen. Normalerweise komme ich mit einer Idee für einen Song an, der noch nicht fertig ist. Ich nehme ein Demo auf und oftmals singe ich sogar die finale Vocal-Aufnahme ein, noch bevor die Band sie gehört hat. Wenn man etwas selbst produziert, ist man in der Lage, so etwas zu machen. Sobald ich die Idee für einen Text habe, ist das der bedeutendste und stärkste Moment, daher beeile ich mich, den Aufnahme-Knopf zu drücken und es in diesem Moment aufzunehmen, weil ich weiß, dass ich die Emotionen nicht wiederherstellen kann. Das passiert oft. Danach kommt die Band dazu und wir arbeiten zusammen daran, wie wir die Musik haben wollen. So entsteht ein Song.«

Musstet ihr eure Prozesse durch die Pandemie umstellen?
»Die Art und Weise, wie wir Musik schreiben, haben wir nicht verändert. Die Pandemie hat unsere Zeitpläne betroffen, weil es Momente gab, in denen wir uns nicht treffen konnten. Aber als wir uns getroffen haben, war das wie zuvor.«

Als ihr euch getroffen habt, um wieder auf die Bühne zu gehen: Konntet ihr vorher gemeinsam proben?
»Eigentlich sollten wir das, aber vor der allerersten Show konnten wir nicht proben. Das heißt, wir hatten über ein Jahr lang nicht zusammengespielt. Das erste Mal, als wir wieder gemeinsam gespielt und dann auch noch neue Songs gespielt haben, das war während des Soundchecks. Das war verrückt und dumm von uns, aber wir haben es gemacht.«

Oh, wow. Hat es funktioniert?
»Ja, es war ok. Nicht großartig, aber gut (lacht).«

Ich habe schon gesehen, dass ihr nächstes Jahr auch für ein paar Shows nach Deutschland kommen werdet. Was sind deine Pläne für BADFLOWER in der Zukunft und was wünschst du dir für euch?
»Ich wünsche mir nur, dass die Welt heilt und sich erholt, damit wir das tun können, was wir wollen. Das ist alles.«

Habt ihr schon Pläne, was nach dem Album und der Tour kommen könnte?
»Wir haben viele Tour-Pläne und solange wir auf Tour gehen können, ist das genau das, was wir tun werden.«

www.badflowermusic.com

www.facebook.com/wearebadflower

Bands:
BADFLOWER
Autor:
Lisa Scholz

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