Interview

Interview 02.08.2022, 12:00

BLOOD GOD - Nackte Nonnen und gehäutete Tiere

Bei BLOOD GOD geht es Schlag auf Schlag. Das letzte Album ist gerade mal ein gutes Jahr alt, schon bringt Mastermind Thomas Gurrath mit „Demons Of Rock 'n' Roll“ neues Material auf den Markt. Auf dem brandneuen Langspieler sind zweimal zehn Songs zu finden – einmal in der rockigen Variante von BLOOD GOD und einmal im Stil des Monster Metal von DEBAUCHERY. Den Release nehmen wir zum Anlass, um bei dem Fronter aus dem Schwabenländle durchzuklingeln. Im Gespräch geht es um die angespannte Situation in der Veranstaltungsbranche, Bühnen-Outfits und natürlich auch um die neue Platte.

Thomas, du warst mit DEBAUCHERY in letzter Zeit endlich auf Tour und konntest wieder erste Konzerte spielen. Wie war es, wieder auf einer Bühne zu stehen?

»Viele Konzerte waren es nicht, nach der Corona-Zeit nur drei. Man ist ein bisschen aus der Übung, was man an Kleinigkeiten merkt. Das sind Abläufe, die man auch im Proberaum nicht üben kann. Vorher ging das alles automatisch, aber wir kommen langsam wieder rein. Nach so einer langen Pause ist das komisch, ich hoffe allerdings, dass es überhaupt weitergeht. Man nimmt jetzt mit, was geht.«

Du hast auch schon eine Tour für Herbst angesetzt, richtig?

»Ja, genau, die Blutfest-Tour zum neuen Album. Es geht los mit Festival-Auftritten im August, die ich aus vorherigen Jahren verschoben hatte. Und drum herum habe ich eine Tour gebucht. Mal sehen, ob das funktioniert.«

Ich drücke die Daumen, noch sieht es für den Sommer gut aus.

»Danke, deswegen habe ich die Termine auch extra so gelegt. Ein paar Termine sind im Dezember, das ging aber nicht anders. Da bin ich schon wieder viel skeptischer, was die Shows angeht. Und es müssen natürlich auch Leute Tickets im Vorverkauf bestellen. Das ist gerade nicht so einfach.«

Stimmt, ich habe auch schon die ein oder anderen Gig-Termine gesehen, die wenige Tage vor der Show abgesagt wurden, weil nicht genügend Tickets vorab verkauft wurden.

»Ja, man muss planen und traut sich dann nicht loszufahren. Ich kann das verstehen und hoffe, dass es mich nicht trifft. So richtig zuversichtlich bin ich noch nicht.«

Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir in unserem letzten Gespräch schon mal über Bühnen-Outfits gesprochen. Du hattest erzählt, dass du dir statt Stiefeln in Echtleder eine vegane Variante zugelegt hast. Wie ist dein Fazit zu den veganen Lederstiefeln nach den ersten Konzerten?

»Ja, genau, ich habe mir solche Stiefel machen lassen. Bisher kann ich sagen: Alles geil, die sind super. Das sind Newrock Boots. Sie sind natürlich teuer, wenn man sie nicht von der Stange bestellt. Ich will keine Echtleder-Sachen mehr kaufen. Meine alten Echtleder-Stücke habe ich noch und werde sie auch nicht in den Müll werfen. Das fände ich Blödsinn. Aber wenn ich etwas neu kaufe, dann in Kunstleder. Für mich ist es eine coole Sache, sich solche Stiefel oder eine Jacke machen zu lassen, und ich fände es völlig beschissen, wenn ein Tier umgebracht und gehäutet werden würde, nur damit ich Stiefel habe. Meine neuen Stiefel habe ich bisher bei ein paar Shows und Videodrehs angehabt. Mal sehen, wie sie nach der Tour aussehen, das ist dann ja schon etwas anderes.«

Kommen wir nun zum eigentlichen Grund, warum ich mich bei dir gemeldet habe: Dein neues Album. Hattest du „Demons Of Rock 'n' Roll“ schon länger in der Pipeline und hast darauf gewartet, bis sich die Corona-Lage etwas entspannt hatte?

»Ich bringe meine Alben immer so schnell raus wie ich kann, ich brauche nur immer ein Jahr bis alles fertig ist. Es dauert einfach seine Zeit, bis auch die Artworks, Videos und Konzepte fertig sind. Die Alben werden nach Konzepten veröffentlicht und das Neue ist ein BLOOD GOD vs. DEBAUCHERY-Werk und mehr ein Hard-Rock-Album. Die vorherige Platte „Monster Magnet“ war ein richtiges DEBAUCHERY-Album und kam letztes Jahr raus. Ich versuche, jedes Jahr eine Scheibe rauszubringen, aber schneller geht es nicht. Das Nächste könnte etwas länger dauern, weil im Moment Verzögerungen dazukommen. Wegen der LP-Bestellungen sollte schon ein dreiviertel Jahr vorher alles fertig sein und ich möchte zum Beispiel ein Artwork gerne ein bisschen liegen lassen, um sicherzugehen, dass es mir wirklich gefällt. Ich will da nichts überstürzen. Ich habe ja genügend Alben auf dem Markt, da könnte ich auch einfach nur noch live spielen. Ich weiß schon nicht mehr, wie ich alles unterbringen soll. Mir fällt es schwer, die neuen Alben zu promoten und gleichzeitig die alten Songs zu spielen.«

Hast du von der neuen Platte schon einen Lieblingssong, den du gerne live spielst oder noch live spielen möchtest?

»Wir haben live schon die beiden Songs gespielt, die bereits als Video draußen sind, also 'Going To Hell' und 'Demons Of Rock 'n' Roll'. Ich würde gerne noch ein oder zwei weitere der Neuen live spielen, aber ich weiß noch nicht, welche. Wir müssen uns aber bald entscheiden, damit wir sie vorher noch üben können.«

Lass uns gerne auch noch über das Album in seiner Gesamtheit reden. Dieses Mal ist es eher ein BLOOD GOD-Album. Was ist dieses Mal das Konzept dahinter?

»Das BLOOD GOD-Ding ist vor zehn Jahren entstanden, weil ich auch immer Hard Rock spielen wollte. Irgendwann hatte ich eine entsprechende Stimme gelernt, die nach ACCEPT oder AC/DC klingt. Angefangen hat das als eigenständige Band, aber ich habe nicht die Power, um eine zweite Band am Laufen zu halten. Deshalb habe ich das an DEBAUCHERY angegliedert und so ist die „Trinity Of Blood Gods“ entstanden, wo ich verschiedene Stile unterbringe. Unter dem BLOOD GOD-Banner laufen die Old-school-Hardrock-Nummern. Für die DEBAUCHERY-Fans gibt es die gleichen Songs dann nochmal mit der DEBAUCHERY-Stimme. „Demons Of Rock 'n' Roll“ ist einfach ein Hard-Rock-Album. Inhaltlich bewege ich mich in meiner Fantasy-Welt der Blood Gods und manche der Texte sind auch einfach nur Quatsch, also Comedy-Texte ohne Sinn dahinter, zum Beispiel 'Bombshell' oder 'Nude Nuns'.«

Um nochmal aufs Touren zurückzukommen: Hast du für jede Band ein anderes Outfit?

»Das Blutfest spielen wir als DEBAUCHERY mit einigen BLOOD GOD-Songs, also etwa zwei Drittel DEBAUCHERY und ein Drittel BLOOD GOD. Dabei spielen wir die Songs durcheinander und haben dabei das Gleiche an. Auf der Studio-CD sind die Gitarrenstimmungen und der Sound je nach Band anders, um den unterschiedlichen Klang herauszuarbeiten. Live spiele ich aber mit einer Gitarre und haben einen Sound. Es gibt zwar durch das digitale Zeitalter auch für kleine Bands die Möglichkeit, sehr viel mit Technik, verschiedenen Sounds und Playback zu arbeiten, aber ich mag das MOTÖRHEAD-mäßige: Eine Gitarre, ein Bass, ein Schlagzeug – that's it. Im Studio mache ich alles Mögliche, aber live ist es wirklich auf die Basics reduziert.«

Was ist dein Plan für die Zukunft, also nach den Live-Shows, die hoffentlich auch im Winter stattfinden können?

»Im Winter wollte ich noch einen Re-Release von BALGEROTH, also der Band mit den deutschen Texten, herausbringen. Nächstes Jahr ist 20-jähriges Jubiläum von DEBAUCHERY, wozu ich ebenfalls einen Re-Release machen wollte. Je nachdem, wie es sich dieses Jahr mit Corona und Inflation entwickelt, mache ich zu dem Jubiläum auch eine Tour. Außerdem sind schon ein paar Festivals bestätigt, aber noch nicht veröffentlicht. Bleibt also gespannt!«

www.bloodgod.rocks

www.facebook.com/bloodgodrocks

Bands:
BLOOD GOD
Autor:
Lisa Scholz

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