Interview


Pic: Javi Reaktiu

Interview 26.07.2022, 13:43

BLOODHUNTER - Interview mit dem Tipp des Monats 08/22

Mit ihrem dritten Langeisen wollen es BLOODHUNTER so richtig wissen. Die spanischen Melodic-Death-Metaller:innen um Nervosa-Frontröhre Diva Satanica lassen mit „Knowledge Was The Price“ ihre bislang stärkste Scheibe von der Kette und halten damit eigentlich alle Trümpfe in der Hand, um richtig durchzustarten. Wir unterhielten uns mit Gitarrist und Gründungsmitglied Dani Arcos.

Dani, der dritte Langspieler einer Band wurde früher oft als „Make It Or Break It“-Album bezeichnet. Fühlt sich „Knowledge Was The Price“ nach einem dementsprechend wichtigen Schritt für die Entwicklung von BLOODHUNTER an?

»Selbstverständlich. Ich denke, dass jeder an einem gewissen Punkt in seinem Leben zurückblickt und eine Entscheidung fällt – ob es sich lohnt, weiterzumachen, oder nicht. In unserem Fall haben wir unser Bestes für „Knowledge Was The Price“ gegeben und fühlen uns stärker als jemals zuvor. Wir werden also weiterhin auftreten und Musik aufnehmen, so gut wir eben können.«

Zwischen „Knowledge Was The Price“ und eurer 2017 erschienenen Scheibe „The End Of Faith“ liegen fünf Jahre. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? War es ein schwieriger Prozess, das neue Album zu schreiben und aufzunehmen?

»Nicht wirklich. Tatsächlich standen wir schon im März 2020 kurz davor, „Knowledge Was The Price“ aufzunehmen. Wir hatten sogar schon ein Studio reserviert, aber wir alle wissen, was dann passiert ist. Deshalb entschieden wir uns dafür, das Ganze vorerst auf Eis zu legen, nachdem es keine Konzerte mehr gab. Außerdem gingen Alben, die inmitten des schlimmsten Abschnitts der Pandemie veröffentlicht wurden, unter, als würde man einen Stein in die Mitte eines Sees werfen. Ein Jahr später nahmen wir die Platte schließlich auf und trafen zusammen mit unserem Label Maldito Records die Entscheidung, den bestmöglichen Moment für die Veröffentlichung abzuwarten.«

Wie seid ihr mit der Situation umgegangen, im Zuge der Pandemie plötzlich nicht mehr auftreten zu können? Seid ihr eine Band, die normalerweise viel live spielt und unterwegs auf Tour ist?

»Wir hatten unsere Tournee zum Vorgänger „The End Of Faith“ im Dezember 2019 abgeschlossen und entschieden uns dafür, eine Weile nicht mehr live zu spielen, um das nächste Album aufnehmen zu können. Schlussendlich machten wir nichts davon; weder standen wir auf der Bühne noch im Aufnahmestudio. Das waren schon harte Zeiten. Mittlerweile gibt es andere Probleme in der Welt und wir werden uns anpassen müssen, um weiterhin wie gewohnt spielen und Songs schreiben zu können.«

„Knowledge Was The Price” wurde über das kleine spanische Independent-Label Maldito Records veröffentlicht. Seid ihr grundsätzlich zufrieden damit, wo ihr mit BLOODHUNTER aktuell steht hinsichtlich eures Erfolgs und Bekanntheitsgrads? Ich habe das Gefühl, dass ihr eigentlich alle Anforderungen erfüllt, um ein viel größeres Publikum zu erreichen.

»Um ehrlich zu sein, denke ich, dass die Qualität unserer Musik auf demselben Level ist wie bei vielen anderen guten Bands, die größer sind als wir. In jedem Fall glaube ich, dass es schlichtweg eine Frage der Publicity und der Geduld ist. Möglicherweise ist die Tatsache, dass wir aus Spanien kommen, ein Nachteil für BLOODHUNTER, aber wir beweisen, dass wir unsere Sache ernst nehmen. Das, was wir machen, bedeutet uns viel und wir werden weiterhin unser Bestes geben.«

In einem früheren Interview hat eure Sängerin Diva Satanica BLOODHUNTER in gewisser Weise als satanische Band bezeichnet – allerdings in der Hinsicht, dass ihr euch mit Grundprinzipien wie Freiheit, Weisheit und Wissen auseinandersetzt anstelle von Ritualen oder Opferungen. Ist dieses Verständnis von Satanismus ein wichtiger Bestandteil der Band?

»Satanismus ist vielmehr eine Philosophie als eine Religion. Wir opfern keine Babys und tragen dabei Schweinemasken. Ich bin wahrscheinlich derjenige in der Band, der sich am meisten mit der satanistischen Denkweise auseinandersetzt und der Grundgedanke dabei ist, die eigene Freiheit anzuerkennen, nach Wissen zu streben und freundlich zu anderen zu sein, solange sie freundlich zu dir sind. Die andere Wange hinzuhalten ist keine Option für mich und ich denke, dass die Botschaft von „Knowledge Was The Price“ eindeutig ist: Denke selbstständig und triff deine eigenen Entscheidungen.«

Religiöse Bildsprache scheint grundsätzlich eine wichtige Rolle in eurer Musik zu spielen – so baut etwa das Cover-Artwork von „Knowledge Was The Price“ mit seiner Darstellung des Apfels und der Schlange eine Verbindung zum biblischen Garten Eden auf. Wie setzt ihr euch bevorzugt mit religiösen Themen auseinander?

»Die meisten von uns wurden im Laufe ihrer Erziehung religiös geprägt. Ich ging auf eine Klosterschule, also kannst du es dir vermutlich vorstellen. Während der Diktatur in Spanien, die unsere Eltern und Großeltern erlebten (Er spielt auf die Diktatur des Militärführers Francisco Franco an, der von 1936 bis 1975 in Spanien herrschte - sb), spielte Religion eine bedeutsame Rolle für das tägliche Leben. Wir wurden mit denselben Werten erzogen. Ich glaube, neuere Generationen haben grundsätzlich eine bessere Bildung in dieser Hinsicht genossen und werden einen anderen Blick auf Religion haben können als unsere Eltern. Auf die eine oder andere Weise ist uns genau das passiert. Ich lehne diese Werte schlichtweg ab. Wir bevorzugen Wissen gegenüber Knechtschaft.«

Wie war es, für euer neues Album mit einem großen Namen wie Tim „Ripper“ Owens zusammenzuarbeiten, der im Song ‘Never Let It Rest‘ zu hören ist? Habt ihr euch persönlich getroffen?

»Ich bin ein großer Fan von Judas Priest und „Jugulator“ ist mein absolutes Lieblingsalbum. Für mich wurde also ein Traum wahr, als wir die Möglichkeit bekamen, Ripper in einem unserer Songs zu haben. Wir trafen uns persönlich und verbrachten einige Zeit zusammen, als er nach Madrid kam, um den Videoclip für ‘Never Let It Rest‘ aufzunehmen. Er gehört zu der Art von Menschen, die du noch viel lieber magst, nachdem du sie persönlich getroffen hast. Er nahm sich viel Zeit für uns, um uns Geschichten über Judas Priest, Dio und Yngwie Malmsteen zu erzählen. Er ist ein Profi und verdient so viel mehr Erfolg.«

Ihr habt auch eine Cover-Version des Children-Of-Bodom-Songs ‘Bodom After Midnight‘ aufgenommen. Wie stark hat euch Alexi Laiho beeinflusst und wie sehr hat euch sein tragischer Tod vor zwei Jahren getroffen?

»Children Of Bodom und Alexi Laiho haben die Musik von BLOODHUNTER stark beeinflusst. Ich bekam 2015 die Möglichkeit während der „100 Guitars From Hell“ in Helsinki zusammen mit Alexi zu spielen (eine Aktion des Helsinki Festivals, für die Laiho 100 Gitarristinnen und Gitarristen einlud, um mit ihm zusammen auf dem Senatsplatz in der finnischen Hauptstadt aufzutreten - sb), sein tragischer Tod traf uns also alle sehr hart. Ich bin ihm nicht nur dankbar für seine Musik, sondern auch, weil ich einige meiner besten Freunde nur durch ihn kennengelernt habe. Wir entschieden uns für ‘Bodom After Midnight‘ wegen des Namens seines letzten Projekts, bevor er starb. Die Leute drehen durch, wenn wir den Song live spielen.«

BLOODHUNTER stammen aus der spanischen Region Galizien. Was kannst du uns über den Zustand der Metalszene vor Ort sagen? Ist sie stark oder wurde sie durch die Pandemie geschwächt?

»Wir gründeten die Band in der galizischen Hafenstadt A Coruña, zogen aber nach einiger Zeit allesamt nach Madrid. Ich denke, die lokale Metalszene in Spanien ist groß und stark. Es gibt hier viele sehr gute Bands, aber irgendwie wirkt es, als wüssten wir Spanier nicht, wie wir unsere Musik in den Rest der Welt exportieren sollen. Sobald wir den richtigen Knopf dafür finden, werdet ihr Bands wie Opera Magna, Ankor, Death & Legacy und andere entdecken, die auf höchstem Niveau unterwegs sind. Momentan sind unsere größten Probleme die hohen Gaspreise sowie ein Überangebot an Tourneen und weniger die Pandemie. Wir werden sehen, ob sich die Situation stabilisiert und wir unsere Bands und unsere Szene weiter entwickeln können.«

http://www.bloodhunter.net

www.facebook.com/BLOODHUNTEROfficial

Bands:
BLOODHUNTER
Autor:
Simon Bauer

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