Interview


Pic: Debauchery

Interview 20.05.2021, 12:38

DEBAUCHERY - Höllenschlund und Herz für Tiere

Aus einem Höllenschlund im Schwabenländle erreicht uns der neue Langspieler der Death-Metaller DEBAUCHERY mit dem programmatischen Namen „Monster Metal". Da sich die Meinungen zu dem dämonischen Trio rund um Mastermind Thomas Gurrath spalten, nutzen wir den Release und klopfen bei selbigem an. Im Gespräch verrät er uns, wie er zu Kritik an seiner Musik steht und wie Death Metal und Tierwohl eben doch unter einen Hut passen.

Hi Thomas, wie geht's dir?
»Gut, sehr gut eigentlich. Kann mich nicht beschweren.«

Super. Wenn man eine neue Platte rausbringt, überwiegt wahrscheinlich auch erst mal die Freude.
»Ja, mir ging es aber auch vorher gut. Ich hatte letztes Jahr nicht so viele Konzerte geplant, das heißt, bei mir ist nicht so unfassbar viel weggebrochen wie bei anderen. Mich trifft das erst ab diesem oder nächsten Jahr, weil viele Konzerte verschoben worden sind. Die Festivals sind für die nächste Zeit ausgebucht und bei den Festivals, bei denen ich drin bin, rutsche ich immer weiter nach hinten. Und ich denke auch, dass es zukünftig schwieriger wird, noch irgendwo reinzukommen.«

Stimmt, das könnte sein. Leider wissen wir noch nicht, wann es mit Konzerten und Festivals wieder weitergeht und wie weit sich das alles nach hinten verschiebt.
»Ich habe noch eine Tour von letztem Herbst in dieses Jahr geschoben, aber ich weiß noch überhaupt nicht, was davon stattfinden kann und unter welchen Bedingungen.«

Es ist natürlich ärgerlich, wenn man gerade ein neues Album rausbringt und es gerne den Leuten live präsentieren möchte, das aber nicht geht.
»Na klar, das wäre schon wichtig. Ich glaube auch, dass viele jetzt ihre CDs zurückhalten. Aber ich mache ja Musik, um CDs zu machen. Das ist der Kern und dann wäre es blöd, das nicht zu machen.«

Wenn du es gerade schon ansprichst: Du machst Musik und dabei alles selbst. So arbeitest du beispielsweise in verschiedenen Bands, übernimmst das Songwriting, genauso wie das Cover-Artwork und vieles mehr. Wie schaffst du das alles gleichzeitig?
»Ich habe alles zusammengelegt. Eine Zeit lang hatte ich noch BIG BALL als wirkliche Extra-Band – das war 2010/2011. Damals hatte ich zwei eigenständige Bands nebeneinander mit unterschiedlichen Leuten. Das war aber organisatorisch nicht machbar und auch vom Geld her konnte ich mir das nicht leisten. Jetzt habe ich das alles in der Trinity Of Bloodgods zusammengefasst. Dieses Mal ist es ein DEBAUCHERY-Album, nächstes Mal wird es wieder ein BLOODGOD-Album, dann kommt wieder ein BALGEROTH-Album dazu, und das jedes Mal mit den verschiedenen Bonus-CDs der jeweils anderen Bands. Das bedingt sich gegenseitig und ich kann alles machen, was ich mag: von böserem Metal bis hin zu Hard Rock im AC/DC-Stil. Die Bilder male ich immer nebenher und das Beste nehme ich dann als Cover.«

Überlegst du dir denn vorher, für welche Band du einen Song komponierst oder schreibst du einfach, worauf du gerade Bock hast?
»Eigentlich ist es so, dass ich einfach nur Musik mache. Ich will möglichst frei sein und das hilft mir auch, um nach vielen Jahren immer noch begeistert zu sein. Ich bin noch genauso begeistert davon, Gitarre zu spielen, wie ich es am Anfang war. Ich mache, worauf ich Lust habe und setze die Songs danach so zusammen, dass es für ein Album passt. Bei „Monster Metal" ist es auch so – ich hatte jetzt einfach das Gefühl, die passen zusammen und das ist eine runde Sache. Andere Songs, die ich zur gleichen Zeit geschrieben habe, passen eher woanders dazu.«

Wenn ich es mal runterbreche, würde ich sagen, DEBAUCHERY ist dieses Mal das Original, die Version von BALGEROTH hat deutsche Lyrics und die von BLOODGOD ist die rockigere Nummer. Kannst du das den Leuten da draußen noch etwas genauer beschreiben?
»Bei den Songs, die hier auf der Platte sind, ist der Hauptunterschied der Gesang. Ich habe mit BIG BALL erst so richtig angefangen, Hardrock zu machen. Diese Accept- oder AC/DC-mäßige Old-School-Rock-Art ist in BLOODGOD übergegangen. Bei DEBAUCHERY kommt die Monsterstimme zum Einsatz, also die tiefe Death-Metal-Stimme, mit der ich angefangen habe. BALGEROTH zeichnen die deutschen Texte aus, weshalb es für mich auch das Böseste und Düsterste ist, weil die deutsche Sprache so hart klingt.«

Da wir gerade schon beim Schreiben sind: Du machst total viel selbst, sowohl die Lyrics als auch die Musik bis hin zur Produktion. Hatte das in der aktuellen Situation einen Vorteil oder warst du trotzdem von der Pandemie betroffen?
»Nee, ich war nicht negativ von der Pandemie betroffen. Es war für mich sogar gut, denn sonst hätte ich noch Konzerte gespielt und wäre generell mehr abgelenkt gewesen. Ganz viel ist weggefallen und letztendlich habe ich nichts anderes gemacht, als zu Hause zu sitzen und Gitarre zu spielen. Was das Songwriting angeht, war es also dieses Mal einfacher als sonst.«

Für den ersten Track des Albums namens 'Bloodking' konntest du einen Gastmusiker gewinnen und zwar niemand Geringeren als Tim „Ripper" Owens (ex-Judas Priest, ex-Iced Earth). Wie kam es dazu?
»Vor gut zehn Jahren stand ich per Mail mit ihm in Kontakt, weil ich ein riesiger Fan bin. Die Judas-Priest-Alben mit ihm sind damals nicht so beliebt gewesen. „Jugulator" wird immer ein bisschen unterschlagen, aber für mich ist das eins der wichtigsten Metal-Alben aller Zeiten! Deswegen hatte ich ihn früher schon mal gefragt, damals hat das aber nicht geklappt, weil er immer viel zu tun hatte. Wegen Corona hat er jetzt wahrscheinlich Zeit gehabt und für mich ist das mega (lacht)! Ich bin einfach ein Fanboy.«

Cool, dass es jetzt endlich geklappt hat! Wie konntet ihr den Song denn aufnehmen? Hat er dir etwas eingesungen und geschickt?
»Genau. Ich habe alles vorbereitet und ein paar Wünsche mitgegeben, wie ich mir das vorstelle. Er ist ein Profi und hat das mal eben gemacht. Er hat mir mehrere Spuren angeboten und ich bin immer noch total begeistert. Für mich ist das jetzt ‚der' DEBAUCHERY-Song! Als „Jugulator" rauskam, war ich etwa 16. Damals hätte ich nie gedacht, dass er mal zu meinen Gitarrenriffs singt. Das ist schon sehr cool.«

Das glaube ich. Lass uns noch den Rest der Platte etwas genauer anschauen. Du erschaffst eine Welt aus Dämonen und Monstern. Erzähl doch gern mal etwas genauer, worum es auf „Monster Metal" geht und woher du die Inspiration nimmst!
»Ich habe von Anfang an nur über Fantasy-Sachen gesungen. Das ist das, was mich begeistert. Als Teenager habe ich schon mit „Warhammer" angefangen und „Herr der Ringe" gelesen. Über die Jahre ist es dann ein eigenes Universum geworden mit meinen eigenen Kreaturen, wie Balgeroth oder Dracul Drakorgoth. Im Mittelpunkt stehen immer die Blood Gods, also Blutdrachen mit dämonischen Fähigkeiten. Sie kämpfen zum einen gegen Dämonen aus der Hölle und zum anderen gegen Menschen und Elben. Die zwei Hauptorte, an denen der Krieg stattfindet, ist zum einen Eden – eine Fantasiewelt mit Elfen, Zwergen und Vampiren. Zum anderen gibt es Krieg auf der Erde, der sich durch alle Zeitalter durchzieht, wobei der Hauptteil in der Zukunft spielt. Auf „Monster Metal" geht es darum, dass die Drachen – das sind die Schutzgottheiten der Tiere und vor allem der Nutztiere – den Krieg gegen die Menschen und gegen die Dämonen verlieren und deswegen bitten sie Balgoroth um Hilfe. Er kommt mit einer Drachenflotte aus der Hölle auf die Erde und versucht die Menschen zu vernichten. Er ist also der Bloodking, der auf die Erde kommt.«

Ok, verstehe. Wie du weißt, gibt es im Rock Hard auch Kritiken zu neuen Alben. Ich weiß nicht, ob dir die aktuelle Rezension zu „Monster Metal" schon vorliegt.
»Nein, aber die wird sicher schlecht sein, nehme ich an. Die fallen seit zehn Jahren schlecht aus.«

Was sagst du denn zu deinen Kritikern? Ist dir so etwas egal? Ich habe den Eindruck, dass DEBAUCHERY eher eine „Love it or hate it"-Geschichte ist.
»Ich werde oft darauf angesprochen, dass DEBAUCHERY polarisieren. Aber ich verstehe es nicht, denn man muss doch etwas Kontroverses haben, damit es überhaupt polarisiert. Und ich verstehe nicht, was bei DEBAUCHERY das Kontroverse ist. Kontrovers ist für mich zum Beispiel etwas politisches oder religiöse Aussagen. Aber ich verstehe nicht, wo etwas Polarisierendes auszumachen ist, wenn man über Drachen, Dämonen und Vampire singt. Die Tierrecht-Sache würde ich ja noch verstehen, aber da wurde ich noch nie drauf angesprochen.«

Dann mache ich das jetzt. Du hast in der Vergangenheit zum Beispiel einen Sampler mit dem Namen „A Tribute To Sea Shepherd" oder den Song 'Animal Holocaust' herausgebracht. Die sind inhaltlich im Sinne des Tierwohls. Im Moment ist die Tierrecht-Bewegung relativ stark, so wurden zum Beispiel in Großbritannien die Gefühle von Wirbeltieren im Gesetz verankert. Wie stehst du dazu? Und was würdest du jemandem sagen, der meint, Tierwohl und Death Metal passen nicht zusammen?
»Stimmt, das habe ich auch gelesen. Meine Musik ist für mich eigentlich Entertainment und ich versuche, keine sehr schweren Themen einzubauen, aber das Tierwohl ist ein Thema, das mich immer beschäftigt. Ich finde, dass diese Massentierhaltung und der Massenmord an Tieren eigentlich grotesk sind. Das ist ein schlimmes Verbrechen. Und ich baue das Thema eben doch in meine Fantasy-Welt ein und lasse diese Blood Gods für sie sprechen. Deswegen sind sie auch so grausam und brutal zu den Menschen, weil sie sich für diese Tiere einsetzen. Wenn ich mir jetzt überlege, dass eine mächtige Kreatur sich für Kühe und Schweine einsetzen würde, dann wäre sie unfassbar grausam den Menschen gegenüber. In meinen Texten wird das als „rechtschaffener Zorn" bezeichnet. Die Blood Gods sind am Ende trotzdem böse, weil sie grausam sind. Ich versuche das Thema also schon einzubauen, aber sehr versteckt. Wenn man es weiß, sieht man es allerdings ganz genau. Seit dem zweiten Album sind das solche Texte. Ich habe mal eine Foto-Session in einem Schlachthof gemacht und damit fing es an.«

Ich finde eben auch, dass Death Metal und solche Themen durchaus zusammenpassen. Es kann natürlich sein, dass manchen Leuten das nicht gefällt oder es vielleicht sogar nicht auffällt, wenn es so unterschwellig ist.
»Ich glaube, dass das bei mir nicht so gesehen wird, weil ich das nie so an die große Glocke gehängt habe. Den Songs 'Animal Holocaust' habe ich gemacht, weil es mir irgendwann auf den Sack ging, wenn man als Vegetarier damit aufgezogen wird und Blutwurst oder rohes Fleisch unter die Nase gehalten bekommt. Den Song habe ich als Statement gemacht, dass ich Vegetarier bin, und ich dachte, damit ist es gut. Zu 'Hate Kill Murder' kommt noch ein Video raus, da setze ich das Thema auch in den Bildern um. Mal sehen, ob das dann nicht gleich wieder gesperrt wird. Das ist mir damals bei 'Animal Holocaust' passiert. Generell finde ich auch, dass man das Thema, über das man singt, frei wählen kann. Erst einmal sind es Gitarrenriffs und Rockmusik, wozu dann der Text kommt. Das reicht von Marduk, die böse Kriegstexte machen, bis hin zu Lyrics wie 'Hunters Will Be Hunted' von Heaven Shall Burn, die Veganismus verfechten. Es ist total flexibel, was man zur Metal-Musik singt. Jeder macht, was ihn beschäftigt und mich beschäftigen Fantasy und Tiere.«

Wie würdest du denn die musikalische Ebene auf dem neuen Album beschreiben? Oftmals wird kritisiert, dass das alles gleich klinge. Was kann man bei dir von der Musik erwarten?
»Ich mache definitiv immer das Gleiche. Man darf auch mal alles ausprobieren und bei DEBAUCHERY habe ich in der Vergangenheit zwar Experimente gemacht, zum Beispiel ging es mal in Richtung Symphonic Black Metal mit Blastbeats und Keyboards, aber ich komme eben aus der Richtung Judas Priest und AC/DC. Das ist das, was mich richtig begeistert. Und ich würde sagen, ich mache immer das Gleiche, nur besser. Ich will gute Songs machen, die grooven und geradeaus gehen. Die Sachen, die ein bisschen böser sind, kommen eher zu BALGEROTH und die Songs, die richtig Hard Rock sind, kommen zu BLOODGOD. DEBAUCHERY ist die Schnittmenge.«

Wie sind deine weiteren Pläne? Willst du direkt ein weiteres Album nachschießen, wenn du so viel Musik geschrieben hast oder hoffst du zunächst mal auf Konzerte?
»Das nächste Album wird 2022 kommen. Wenn alles nach Plan läuft, kommt ein BLOODGOD-Album im AC/DC-Hard-Rock-Stil.«

Ich bin gespannt. Vielen Dank dir für deine Zeit!
»Vielen Dank! Ich freue mich, dass nach langer Zeit mal wieder ein Interview mit dem Rock Hard geklappt hat!«

www.debauchery.de

www.facebook.com/DebaucheryBand

Bands:
DEBAUCHERY
Autor:
Lisa Scholz

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