Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 21.07.2021, 14:04

MASTODON - Captured live at Georgia Aquarium

Auch eineinhalb Jahre nach Beginn der Covid-19-Pandemie sind Live-Streams für viele Bands immer noch die einzige Möglichkeit sich einem größeren (virtuellen) Publikum zu präsentieren. Während andere Acts schon im letzten Jahr mit ihren Live-Stream-Events vorgeprescht sind, und dabei mal mehr und mal minder hochwertige Erlebnisse boten, haben MASTODON sich Zeit für ein in mehrfacher Hinsicht besonderes Live-Stream-Ereignis gelassen.

Der größte „Selling Point" ist natürlich das Setting: Wer hat jemals eine Band in einem Unterwasser-Zoo wie dem Georgia Aquarium spielen sehen? Zu Beginn des Streams stellen die Mitglieder in nachträglich aufgenommenen Statements klar, dass man ursprünglich mit der Idee gespielt habe, das „Leviathan"-Album in Gänze aufzuführen, weil dieser Longplayer den größten Bezug zum Ozean aufweise. Aufgrund der Tierschutz-bedingten Lautstärkebeschränkung ist dieser Einfall einem Akustikset gewichen, was den Musikern einigen Respekt einflößte. MASTODON sind in der Regel eine Band, die auf Verzerrung und Lautstärke setzt. Umso spannender ist demnach, was den Hörer in dem einstündigen Set erwartet. Eröffnet wird das Konzert mit dem „Leviathan"-Song 'Naked Burn', welcher noch mal vor Augen führt, dass Melodien auch in den ruppigen frühen Karrierejahren schon eine Rolle bei den vier Amerikanern gespielt haben. Das Setting vor der großen Aquariumwand ist natürlich phänomenal anzuschauen und wird durch eine düstere, dezente Lichtshow passend untermalt. Lediglich die Idee, nachträglich noch einige zusätzliche Fisch-Aufnahmen über die Musiker zu blenden, wirkt anfangs etwas befremdlich.

So manch einer könnte sich sicherlich auch daran stören, dass das Set nach jedem Song für Statements der Musiker unterbrochen wird. In den Augen des Rezensenten sind diese Ausführungen aber besonders wertvoll. Sie geben nicht nur unbekannte Details zu der Entstehung der Lieder preis, sondern verleihen der anschließenden Performance noch mehr Tiefe. Am deutlichsten wird dies bei dem neuen Track 'Skeleton Of Splendor', welchen die Band ihrem verstorbenen Manager Nick John widmet. Für die größte Gänsehaut sorgt daneben das „Crack The Skye"-Stück 'The Czar', bei dem Brent Hinds an der halbakustischen Gitarre brilliert, während Bill Kelliher auf seiner Akustikklampfe für die stimmige Untermalung sorgt. Bei dem „Blood Mountain"-Track 'Sleeping Giant' darf hingegen Kelliher für die coolen E-Gitarren-Licks sorgen, während Hinds zusammen mit Bassist Troy Sanders das akustische Fundament legt. Ein weiteres Highlight ist das „The Hunter"-Stück 'The Sparrow', welches der an Krebs verstorbenen Frau des Band-Buchhalters gewidmet ist und in seiner akustischen Version an Intensität gewinnt. Danach flacht die Spannungskurve etwas ab, was aber auch okay ist, denn mit den folgenden drei Stücken biegen MASTODON in die Zielgrade ein und beenden ein gelungenes Konzert, welches für eine Zweitverwertung in Form eines physischen Live-Albums inklusive Blu-ray prädestiniert wäre.

https://dreamstage.live/event/mastodon

„Captured live at Georgia Aquarium"-Setlist

Naked Burn
Asleep In The Deep
The Czar
Skeleton Of Splendor
Sleeping Giant
The Sparrow
Thickening
Elephant Man
Pendolous Skin

Bands:
MASTODON
Autor:
Ronny Bittner

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