My Hometown


Foto: Sebastian Roming (Promo)

My Hometown 27.10.2021, 08:01

MOTORJESUS - My Hometown: Erkelenz mit Christoph „Howling“ Birx

Das 20 Kilometer südlich von Mönchengladbach gelegene Erkelenz ist die größte Stadt des linksrheinischen Landkreises Heinsberg, der im letzten Jahr als erster Corona-Hotspot Deutschlands traurige Berühmtheit erlangte. »Jetzt kennt Heinsberg jeder Arsch«, klagt augenzwinkernd MOTORJESUS-Frontmann Christoph Birx, der vor 43 Jahren in der ländlich geprägten Region an der Grenze zu den Niederlanden geboren wurde.

Chris, wo genau wurdest du geboren, wo bist du aufgewachsen, und wo wohnst du mittlerweile?

»Geboren wurde ich in Linnich in der Nähe von Erkelenz. Aufgewachsen bin ich aber in einem kleinen Dorf in der Region namens Katzem. Wir haben mit ´Katzem is et allerschönste Dörpke´ sogar eine eigene Dorfhymne (lacht). Ein weiterer berühmter Katzemer ist übrigens der Keyboarder der Kölner Band De Höhner, Micki Schläger. Auf dem Dorf werden halt die echten Rocker groß (lacht). Inzwischen wohne ich wegen Kind, Kegel und Job in Schwalmtal. Das liegt etwa 20 Kilometer weiter nördlich.«

Kennst du den Heinsberger Landrat Pusch persönlich? Der hat auch bei vielen Nicht-CDU-Wählern einen guten Eindruck hinterlassen, weil er während der Corona-Pandemie immer Klartext sprach.

»Jepp, der Pusch ist ein cooler, gerader Typ. Ich kenne ihn aber leider nicht persönlich. Übrigens wohnt meine Schwester nur gefühlte drei Kilometer von dem Ort entfernt, wo auf dieser komischen Karnevalssitzung in Heinsberg die Pandemie im letzten Jahr ausbrach. Es ist echt scheiße: Früher kannte wirklich kein Schwein die Stadt, da war das quasi ein weißer Fleck auf der Landkarte (lacht). Jetzt kennt Heinsberg jeder Arsch, aber leider aus einem beschissenen Grund.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen in der Gegend?

»Meine Lieblingskneipe existiert leider nicht mehr. Das war das Legendary Café in Oberbruch, ein auf die Fünfziger getrimmtes Rock´n´Roll-Diner mit Elvis-Statuen. Dort habe ich jahrelang selber gekellnert. Außerdem fällt mir noch das Pitcher in Düsseldorf ein. Da spielen wir mit MOTORJESUS gefühlt einmal im Jahr. Ich muss aber hinzufügen, dass ich schon vor Corona nicht mehr so oft in Kneipen gegangen bin.«

Gibt es ansonsten noch irgendwelche guten Clubs in der Gegend, oder müsst ihr immer extra nach Köln oder Düsseldorf fahren?

»Auf lokaler Ebene gibt es noch das Kultube in Mönchengladbach. Das ist eine kleine ehemalige Kneipe, die zu einem Live-Club mit einer Kapazität von 150 Gästen umgemodelt wurde. Der Laden wird von der Mutter eines guten Freundes von mir geleitet. Der macht da auch den Sound, seine Mutter die Theke. Derzeit kratzen sie Kohle zusammen, um weitermachen zu können. Mit der Band spielen wir dort einmal im Jahr für unsere Kumpels, Freunde und Verwandte aus der Gegend.«

Wo habt ihr euren Proberaum?

»Der ist in Korschenbroich bei Mönchengladbach auf einem alten Bauernhof. Früher hatten wir da noch eine Soul-Band mit einem Bläsersatz drin, das waren insgesamt bestimmt zehn Leute. Die sind zum Glück ausgezogen beziehungsweise es gibt sie nicht mehr. Das heißt, jetzt haben wir den Raum ganz für uns alleine, ein Riesending in einem umgebauten Kuhstall. Da können wir schön auf dem Feld schalten und walten, zumal wir auch keine anderen Bands links und rechts haben, die nerven. Außerdem kostet der Raum nur etwa 200 Euro Miete monatlich, dafür kriegst du in der Stadt nur eine Abstellkammer.«

Mit welchen anderen Acts aus der Region seid ihr befreundet?

»Mönchengladbach ist eine Hardcore- und Punk-lastige Stadt, also sind dort viele Bands aus diesen Genres unterwegs. Die Stoner-Combos, mit denen wir früher befreundet waren, existieren alle nicht mehr. Dazu gehörten beispielsweise Supersoma, wo mein alter Kumpel Ingo Bajonczak gesungen hat, der jetzt bei Bonded und Assassin ist, mit denen haben wir früher oft zusammengespielt. Redrum Inc. gab´s auch mal, die machten Doom, Sludge und Stoner Rock in Richtung Crowbar. Inzwischen haben sie einen anderen Sänger und heißen Dedpool. Außerdem sind wir noch ziemlich dick mit Ignition aus dem Ruhrpott, und dann wären da noch Ghosther aus Heinsberg, die Alternative Metal spielen, eine Sängerin haben und sich früher MoDo nannten.«

Gibt es bei euch in der Gegend einen guten Plattenladen?

»Dafür fahre ich gerne ins Sounds in Venlo, also nach Holland. Wir sind hier ja sehr grenznah. Wegen Corona war ich das letzte Mal Ende 2019 oder Anfang 2020 dort. Auf alle Fälle ist das ein supergeiler Plattenladen, für den man gern über die Grenze fährt, um ein paar Scheiben zu kaufen.«

Stichwort Holland: Seid ihr früher öfter zum Kiffen hinübergefahren?

»Also, ich kiffe nicht, kenne aber einige Leute im näheren Bandumfeld, die gerne mal mit dem Fahrrad über die Grenze fahren (lacht).«

Bist du Gladbach- oder Köln-Fan, oder schert dich Fußball einen Dreck?

»Ich bin 1.-FC-Anthrax-Fan (lacht). Im Ernst, mit Fußball hab ich null Komma null an der Mütze. Klar, man muss sich mit MOTORJESUS immer wieder die Frage anhören, wie es um Borussia Mönchengladbach bestellt sei, und da verweise ich immer auf unseren Drummer. Bei mir dreht sich alles nur um Metal, Rock und Mucke generell. Sport und Fuppes interessiert mich wirklich gar nicht.«

Wie hältst du es mit dem Karneval, der bei euch in der Gegend ja sehr populär ist. Bist du selber ein Jeck, oder gehörst du zu den wenigen Rheinländern, die dem Ganzen nichts abgewinnen können?

»Ich bin da ein bisschen zwiegespalten. Früher habe ich Karneval immer als Gelegenheit genutzt, um alte Freunde wiederzutreffen. Bei solchen Veranstaltungen triffst du alte Kumpels aus der Schulzeit, die du nur einmal im Jahr siehst. Deswegen fand ich Karneval früher ganz toll. Je älter ich werde, desto mehr sehe ich mir aber die ganzen kaputten Besoffenen an. In Erkelenz gibt es eine Ecke, wo zu dem Anlass übelste Schlägereien stattfinden oder man auch mal eine Flasche durchs Gesicht gezogen bekommt. Das beschissen asoziale Verhalten hat in den letzten Jahren leider zugenommen. Deswegen finde ich Karneval nicht mehr so cool.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Falls ja, wo?

»Ich lebe echt gerne hier. Obwohl ich wie gesagt etwa 20 Kilometer entfernt wohne, bin ich immer noch nah an meiner Heimat und setze mich halt in die Karre, wenn ich den Drang verspüre, nach Erkelenz zu fahren, zumal mein Arzt und meine Bank ja immer noch dort sind – und meine besten Kumpels, mit denen ich gerne Kaffee trinke. Weit wegziehen würde ich also nicht. Schwalmtal ist da für mich schon das Höchste der Gefühle.«

www.motorjesus.net

www.facebook.com/motorjesus

Bands:
MOTORJESUS
Autor:
Buffo Schnädelbach

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