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Foto: Dustin Rabin

My Hometown 30.03.2022, 08:00

DANKO JONES - My Hometown: Toronto mit Danko Jones

Preisfrage: Was haben so unterschiedliche Künstler wie Rush, Drake, Anvil, Triumph, Neil Young, Saga und DANKO JONES gemeinsam? Richtig, sie stammen alle aus der größten Stadt Kanadas, genauer gesagt der Millionenmetropole Toronto am Nordwestufer des Ontariosees.

Danko, wo bist du geboren beziehungsweise aufgewachsen, und wo wohnst du mittlerweile?

»Ich bin in Willowdale aufgewachsen und nach Scarborough im Osten der Stadt gezogen, als ich elf war. Mittlerweile wohne ich etwas weiter außerhalb. Leider hat sich Toronto in den letzten Jahren sehr zum Negativen verändert; es gibt jetzt einfach zu viele Eigentumswohnungen für Besserverdienende.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen in der Stadt?

»Ich gehe kaum in Kneipen und Bars, da ich nicht viel Alkohol trinke, schon gar nicht in meiner Freizeit. Das ist für mich so, wie sonntags ins Büro zu gehen. Außerdem finde ich den Verkehr in Toronto absolut crazy. Aufgrund von Covid-19 kriegen mich keine zehn Pferde in einen Bus oder andere öffentliche Verkehrsmittel. Das heißt, ich fahre mit dem Auto in die Stadt.«

Kannst du uns bestimmte Restaurants empfehlen?

»Ich habe vor der Pandemie regelmäßig Restaurants frequentiert, war aber kürzlich zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren wieder außer Haus essen. Da man bei uns uns in Kanada zu solchen Anlässen den Impfpass vorzeigen muss, habe ich mich auch sicher gefühlt. Was ich am liebsten esse? Ich mag eigentlich alles – Chinesisch, Indisch, Japanisch, Äthiopisch, Italienisch, Koreanisch, Spanisch. Hauptsache, das Essen schmeckt - und das Restaurant hat einen guten Ruf.«

Wie sieht es mit Clubs und Konzerthallen aus?

»Die Pandemie hat Torontos Clubszene natürlich schwer zugesetzt. Zum Beispiel musste der Mod Club in der College Street im November 2020 schließen; im September 2021 wurde er aber unter dem Namen Axis Club und einem neuem Management wiedereröffnet. Außerdem gibt es noch Lee´s Palace, dieses Lokal kann man am ehesten mit einer Institution wie dem CBGB in New York vergleichen. Dort habe ich 1991 als Teenager übrigens mein allererstes Konzert besucht, als Primus in der Stadt waren. Im Lee´s Palace spielten wir im Dezember 2019 unsere letzte DANKO JONES-Clubshow in Kanada. Ansonsten wäre da noch das Maxwell´s in Kitchener eine Stunde westlich von Toronto, ein beinahe europäisch anmutender Club. Ich weiß zwar nicht warum, aber wenn wir dort auftreten, ist die Bude immer ausverkauft. Davon abgesehen sind die Besitzer total cool. Früher haben wir alle paar Monate in Toronto gespielt, aber mittlerweile geschieht das nur noch alle zwei, drei Jahre.«

Habt ihr einen Proberaum in Toronto?

»Wir proben seit 1999 in einem großen Übungsraumkomplex in der Stadt. Der wird aber leider bald abgerissen, weil dort eine Kirche oder ein Supermarkt hin soll. Dann stehen eine Menge Bands auf der Straße. Für uns ist das nicht ganz so schlimm, da wir unseren Raum in den letzten Jahren vornehmlich als Lager für unser Equipment genutzt haben. Wir proben eigentlich immer nur vor Tourneen und Studioaufnahmen, dafür können wir uns auch stundenweise einen Raum mieten.«

Aus Toronto respektive der Provinz Ontario kommen mit Rush, Anvil, Triumph, Billy Talent und Exciter ja noch eine ganze Latte weiterer namhafter Hardrock-, Metal- und Punkbands. Bist du mit einigen davon näher bekannt oder befreundet?

»Mit allen außer Rush. Die haben wir bislang leider noch nicht näher kennengelernt. Neil Peart (2020 verstorbener Rush-Drummer – buf) hat mir vor etlichen Jahren aber mal einen Brief geschrieben, was wirklich nett war. Und unser Bassist John Calabrese kennt Rushs Gitarristen Alex Lifeson flüchtig. Exciter kommen ja aus Ottawa, aber ihr Gitarrist Daniel Dekay wohnt in Toronto und ist ein guter Freund von uns. Außerdem bin ich ganz dick mit Sacrifice befreundet, und mit Billy Talent haben wir erst kürzlich gemeinsam gespielt. In der neuen Triumph-Dokumentation („Rock & Roll Machine“, feierte beim Toronto International Film Festival im September 2021 Premiere – buf) komme ich auch ausführlich zu Wort. Deshalb haben mir die Jungs auch gedankt, als ich sie letzten Monat live sah.«

Gibt es bei euch noch gute Plattenläden?

»Meine beiden Lieblingsläden gibt es leider nicht mehr. Vortex Records hat vor sechs Jahren geschlossen, und Discovery vor etwa vier. Bei Vortex war ich schon mit 14 Jahren Kunde. In der Zwischenzeit wurden zwar einige neue Plattenläden eröffnet, aber wenn ich mir dort die Verkäufer hinter der Theke anschaue, denke ich meistens: „Ich weiß doch viel mehr über Musik als dieser Jungspund da.“ Das klingt zwar ein bisschen arrogant, doch so empfinde ich halt. Außerdem gibt es in diesen Läden meistens nur irgendwelche Wiederveröffentlichungen von Nirvanas „Nevermind“ oder dem „White Album“ der Beatles auf Vinyl, solche Releases interessieren mich nicht die Bohne. Ich bin zwar selbst Sammler, aber dennoch sehr wählerisch. Während der Pandemie habe ich mich übrigens von ein paar Hundert Schallplatten getrennt, um Platz zu schaffen, und nur die Scheiben behalten, die mir wirklich etwas bedeuten. Ein Freund von mir, der ansonsten die Toronto Downtown Record Show organisiert, hat das Zeug online verkauft.«

Bist du Sportfan? Mit den Basketballern Raptors, dem Eishockeyteam Maple Leafs und dem Toronto FC gibt es in deiner Heimatstadt ja gleich drei bekannte Vereine unterschiedlicher Mannschaftssportarten.

»Nein. John ist der Sportfanatiker bei uns. Er lebt und atmet Basketball und hat ein Abo, das ihm ermöglicht, auch mitten in der Nacht auf seinem Smartphone Spiele zu sehen, wenn wir auf Tournee sind. Außerdem mag er Fußball oder Soccer, wie man bei uns sagt, und geht regelmäßig zu den Heimspielen der Raptors und des Toronto FC. Ich war als Kid großer Baseballfan, bin aber nicht mehr auf dem Laufenden. Würdest du mir Tickets schenken, würde ich mir aber mal wieder ein Match der Blue Jays anschauen (lacht). Übrigens bekomme ich manchmal Nachrichten von Fans, die schreiben: „Dude, ich sitze gerade mit meinen Kumpels, einem Bier in der linken und einem Hot Dog in der rechten Hand im Stadion und höre einen Song von euch.“ Ich weiß, dass neben den Blue Jays und Maple Leafs auch einige andere kanadische Hockeyteams regelmäßig was von uns spielen. Einmal habe ich sogar eine Message von Jeff Waters von Annihilator bekommen, als in Ottawa oder Vancouver eine Nummer von uns in der Halle lief.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Falls ja, wo?

»In Stockholm. Da ich dort von 2003 bis 2005 jeweils mehrere Monate am Stück verbracht habe, finde ich mich in der Stadt gut zurecht, obwohl ich eigentlich einen schlechten Orientierungssinn habe. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob sich Stockholm genauso zum Nachteil verändert hat wie Toronto. Wäre mir vor zehn Jahren die gleiche Frage gestellt worden, hätte ich geantwortet, dass ich Toronto nie verlassen würde. Mittlerweile sehe ich das anders. Trotzdem gibt es auch eine Menge, was mich hier hält. Besonders gefällt mir der Umstand, dass Toronto einer der multikulturellen Orte schlechthin auf der Welt ist. Wenn man durch die Stadt läuft oder in einen Bus steigt, trifft man Menschen aus zwölf verschiedenen Ländern, die sieben unterschiedliche Sprachen sprechen. Zudem finde ich es bemerkenswert, dass die verschiedenen Kulturen und Religionen im Großen und Ganzen gut miteinander klarkommen oder sich wenigstens gegenseitig tolerieren. Falls ich in Toronto bleibe, dann aufgrund dieser Tatsache und wegen der unglaublich großen Auswahl an kulinarischen Spezialitäten aus aller Herren Länder.«

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Bands:
DANKO JONES
Autor:
Buffo Schnädelbach

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