Interview


Pic: Kane Hibbert

Interview 11.05.2022, 11:45

NORTHLANE - Die Verbindung zum Sound

Mit „Obsidian“ veröffentlichen NORTHLANE ihren sechsten Langspieler. Neben Parkway Drive gehören die Mannen aus Sydney zu den erfolgreichsten australischen Bands, die sich den härteren Gefilden zuschreiben lassen. Doch ganz so eindeutig ist es bei NORTHLANE nicht, denn spätestens seit ihrem Vorgänger-Album „Alien“ ist die Band musikalisch experimenteller unterwegs. Wir sprachen mit Sänger Marcus Bridge über die Arbeit am neuen Longplayer, welche ohne Bassisten und Label-Unterstützung über die Bühne ging. Nach möglichen Konzerten in Deutschland haben wir uns auch erkundigt.

Marcus, herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung eures neuen Albums „Obsidian“, die ihr allerdings verschieben musstet. Wie war das für euch und wie geht es euch jetzt? Wie waren die Reaktionen auf das Album bisher?

»Es war auf jeden Fall enttäuschend, dass die Veröffentlichung des Albums aufgrund von Verzögerungen bei der Vinyl-Produktion verschoben werden musste, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr auf „Obsidian“ gewartet, was sind da schon ein paar zusätzliche Wochen Wartezeit? Ich denke, das Positive daran ist, dass die Leute dadurch noch gespannter auf das Album waren. Die positive Resonanz war bisher überwältigend und ich bin so froh, dass unsere Hörer die etwas andere Musik so gut angenommen haben.«

„Obsidian“ ist der erste Output seit dem Weggang von Brendon Padjasek. Wie habt ihr das Album ohne einen Bassisten geschrieben und produziert? Und wie präsentiert ihr es live auf der Bühne?

»Jonathon Deiley, unser Haupt-Songwriter und Gitarrist, schreibt normalerweise die Bass-Parts, wenn wir die ersten Instrumentals komponieren. Das Wesentliche, was sich geändert hat, ist, dass Jon auch den Bass für das Album aufgenommen hat. Obwohl wir jetzt zu viert sind, hat sich an der Art und Weise, wie die Songs entstehen, nicht viel geändert. Vorerst wurde der Bass neu aufgenommen und für Live-Auftritte als Backing-Track angelegt.«

„Obsidian“ ist auch das erste Album, das ihr unabhängig und ohne Label veröffentlicht habt. Wie ist es dazu gekommen und wie hat es sich für euch entwickelt?

»Wir haben in unserer Zeit als Band viel gelernt und an diesem Punkt unserer Karriere hatten wir das Gefühl, dass wir die Vorteile eines Labels nicht mehr so sehr brauchen wie früher, da wir viele dieser Dinge jetzt selbst erreichen können. Wir könnten nicht glücklicher über diese Veränderung sein, sie hat uns so viel Freiheit gegeben, Musik zu veröffentlichen und zu touren wie wir wollen!«


Ihr mischt verschiedene musikalische Einflüsse und Stile. Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?

»Ich möchte unsere Musik nicht in eine Schublade stecken, da sie in alle möglichen Richtungen geht, aber wenn ich müsste, würde ich sagen, es ist Metal/Core, gekreuzt mit elektronischer Musik aus den späten Neunzigern/frühen 2000ern und Tanzmusik mit ein bisschen Prog.«

Wie hat sich euer Stil auf diesem Album im Vergleich zum Vorgänger „Alien“ verändert, oder war es euer Ziel, dem vorherigen Stil trotz des Besetzungswechsels so treu wie möglich zu bleiben?

»Ich denke, „Obsidian“ ist eine Erweiterung der Sounds, die wir auf „Alien“ angefangen haben zu erforschen. „Alien“ war eine große Veränderung und ein gewisses Risiko für uns, aber unsere Fans haben diese neuen elektronischen Elemente begeistert aufgenommen. Das gab uns das Vertrauen, noch tiefer in diesen Aspekt unseres Sounds einzutauchen, was sich zu diesem Zeitpunkt wie eine natürliche Entwicklung anfühlte.«

Was die Texte anbelangt, befasst ihr euch auch mit dunklen Themen. Gibt es für dich ein übergeordnetes Thema auf diesem Album und wenn ja, welches?

»Es gibt nicht wirklich ein übergeordnetes Thema für das Album. Es ist eine Sammlung von Songs, in denen ich über meine Ängste und Selbstzweifel nachdenke und gleichzeitig die schrecklichen Dinge analysiere, die jeden Tag auf der Welt passieren. Ich denke, wenn es ein Thema auf der Platte gibt, dann ist es die Hoffnungslosigkeit.«

Vielleicht eine knifflige Frage, aber welches ist dein Lieblingssong vom neuen Album und warum?

»Zum jetzigen Zeitpunkt ist es 'Xen'. Er ist wahrscheinlich der positivste, fröhlichste Song auf dem Album und es geht darum, dass man Dinge mag oder nicht mag, weil man sich mit ihnen verbunden fühlt und nicht, weil jemand anderes einem gesagt hat, was man fühlen soll. Bei allen Formen der Kunst, sei es Musik, Film oder Performance, wollen wir alle wissen, was die anderen denken, anstatt es nur für uns selbst wahrzunehmen. Einer meiner Lieblingstexte auf der Platte kommt in diesem Song vor und fasst es ziemlich gut zusammen: „There’s no good, no bad, just the connection to the sound“ (dt.: „Es gibt kein Gut und kein Schlecht, nur die Verbindung zum Sound“).«

Da wir ein deutsches Magazin sind, muss ich fragen: Wann werdet ihr wieder durch Deutschland touren?

»Wir lieben es, in Deutschland zu spielen und ich bin mir sicher, dass wir zurück sein werden, noch bevor 2022 vorbei ist. Also haltet die Augen offen!«

Vielen Dank für deine Zeit! Willst du noch etwas hinzufügen?

»Vielen Dank an alle, die sich „Obsidian“ angehört oder ein Exemplar davon gekauft haben. Es bedeutet uns wirklich alles, dass wir nach so vielen unruhigen Jahren immer noch die Unterstützung unserer Fans haben. Wir können es kaum erwarten, wieder nach Deutschland zu kommen, wir sehen uns bald!«

www.northlaneband.com

www.facebook.com/northlane

Bands:
NORTHLANE
Autor:
Lisa Scholz

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