Festivals & Live Reviews


Pics: Lukas Höpfner

Festivals & Live Reviews 03.11.2022, 13:03

THE HU - Ein Abend in der Mongolei

Ungewöhnliche Konzertlocations gab und gibt es im Laufe der Musikgeschichte immer wieder: die Pyramiden von Gizeh, Folsom Prison, der Südpol oder das Amphitheater in Pompeji stellen dabei nur einige ausgefallene Beispiele dar. Allerdings dürfte die Anzahl der Rock- und Metalbands, die innerhalb der Botschaft der Mongolei in Berlin ihre Songs performt haben, ebenfalls eher gering ausfallen. Eine Ausnahme stellen hierbei THE HU dar: Am Abend des 02.11.2022 gibt sich das mongolische Oktett die Ehre und präsentiert etwa 50 - 60 Botschafts- und Pressevertreter:innen ein spezielles, akustisches Set.

Für das leibliche Wohl aller Beteiligten ist im Rahmen dieses ungewöhnlichen Abends definitiv gesorgt. Während die Band vorab mit einigen Journalist:innen Interviews führt, besteht die Möglichkeit, sich mit Snacks, Sekt sowie nichtalkoholischen Getränken zu stärken. Ebenso bietet sich die Zeit vor dem Auftritt dafür an, mit den anderen Anwesenden in den Austausch zu treten, sich in der Botschaft genauer umzusehen und anhand von Gemälden und Einrichtungsgegenständen ein genaueres Bild davon zu bekommen, was die Mongolei eigentlich ausmacht. Dazu zählen etwa von grasbewachsenen Steppen dominierte Landschaften, Berge und Bergbau, nomadische Viehwirtschaft, aber auch die Wüste Gobi. Außerdem interessant: Das Land ist etwa viereinhalb mal so groß wie Deutschland, hat aber weniger Einwohner als Berlin. Warum diese Schilderung wichtig ist? Der heutige Abend zeigt auf, dass genau diese Elemente in der Musik von THE HU Widerhall finden.

Nach einer Begrüßung durch den mongolischen Botschafter betritt die achtköpfige Band (live immer mit doppelter Mannstärke verglichen zu den Studioaufnahmen - lh) die Bühne und stellt klar: “In unseren Songs geht es um die Liebe zur Natur und darum, diese zu schützen.” Ebenso wie die Texte der Band generell erfolgen alle Ansagen in mongolischer Sprache und werden anschließend von einem Dolmetscher übersetzt, was die Authentizität der rein akustisch arrangierten Songs nur weiter untermauert. So werden durch Ober- und Untertongesang sowie Instrumente wie die Tsuur-Flöte, zweisaitige Laute, Maultrommeln und selbstverständlich die Pferdekopfgeige – laut einer Zeitschrift, die ich im späteren Verlauf des Abends vom 1. Sekretär der mongolischen Botschaft erhalte, “wichtigstes Instrument der Mongolen” – die zuvor durch die Bilder gewonnenen Impressionen der Mongolei musikalisch manifestiert.

Natürlich bleibt auch Humor beim Auftritt des Oktetts nicht auf der Strecke. Erst kommt es auf Botschafterseite nach der Übersetzung durch den Dolmetscher allerseits zum Gelächter, als die Band den Song ‘Yuve Yuve Yu’ vom Debütalbum “The Gereg” ankündigt mit den Worten: “Jeder kennt diesen Song, alle können mitsingen!” Den musikalischen Abschluss nach – leider nur – vier Songs macht der Titel ‘This Is Mongol’ vom aktuellen Album “Rumble Of Thunder”, der noch einmal die musikalische Quintessenz von THE HU zusammenfasst. Zu dem Song wurde übrigens – wie könnte es bei dem Titel und einer mongolischen Band anders sein – ein Video in der Wüste von Arizona gedreht. So endet ein rundum gelungener Abend, der sehr gerne noch länger hätte ausfallen können, aber in jedem Fall ein eindrucksvolles Bild der mongolischen Kultur hinterlässt.

THE HU-Headlinershows 2022:

03.11.22 Berlin - Metropol
24.11.22 Köln - Live Music Hall

www.thehuofficial.com

www.facebook.com/thehuofficial

Bands:
THE HU
Autor:
Lukas Höpfner

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