Interview


Pic: Benito Barajas (Promo)

Interview 07.11.2022, 13:53

THE IDIOTS, PHANTOMS OF FUTURE, HONIGDIEB - Von Iggy geadelt

Sir Hannes Smith hat sich nicht nur als Frontmann von THE IDIOTS, HONIGDIEB und PHANTOMS OF FUTURE einen Namen gemacht, sondern auch als Inhaber des Dortmunder Plattenladens Idiots Records in der Rheinischen Straße. Am 2. Dezember feiert der Sänger sein 50-jähriges Bühnenjubiläum im FZW in Dortmund. Mit dabei sind neben seinen eigenen Bands auch viele Wegbegleiter wie Sodom und Die Kassierer. Wir besuchten Hannes bei Idiots Records und sprachen mit ihm über seine Karriere, prominente Bewunderer und die bevorstehende Jubiläumsshow.

Seine erste Band gründete Hannes schon in ganz jungen Jahren. Die ersten Proben fanden im Kinderzimmer statt. Der Frontmann blickt zurück:

»1976 hatte ich mein Ohr immer am englischen Radio und habe dort die ersten Punk-Bands gehört, zum Beispiel The Stranglers und The Clash. Das hat mich so fasziniert, dass ich mit einem Kumpel eine Band namens Kellergeister gegründet habe (benannt nach dem Perlwein – am). Ich habe auf Kochtöpfen Schlagzeug gespielt und mein Kumpel Raabe hat sich die Kindergitarre meines Bruders genommen (schmunzelt). Wir haben damals praktisch schon Punk gespielt. 1978 habe ich THE IDIOTS gegründet, benannt nach „The Idiot", der Platte von Iggy Pop und David Bowie. Damals zierte der THE IDIOTS-Schriftzug im Ruhrgebiet schon jede große Mauer oder Brücke, bevor wir überhaupt den ersten Auftritt hatten. 1981 waren wir auf dem „H'Artcore“-Sampler vertreten, das war damals ein Wegbereiter für den Deutschpunk. Wir haben diesen Begriff mit geprägt und wurden später in der Bravo als „die extremste Band Deutschlands“ bezeichnet.«

Die Kassierer, die ebenfalls bei der Jubiläumsshow am 2. Dezember auftreten, wurden für Hannes und THE IDIOTS schon früh zu Wegbegleitern:

»Sie waren bei uns 25 Mal Vorgruppe. Mittlerweile sind sie richtig groß geworden, während wir mit THE IDIOTS 20 Jahre lang Pause machten. 2012 startete ich unsere Reunion. Ich glaube, wir hörten 1990 nach dem Album „Station Of Life“ auf. Irgendwann ging mir der Spirit verloren und es wurde mir zu Metal-mäßig. Nach dieser Deutschpunk-Geschichte waren wir eine der ersten Bands, die auch Hardcore mit reingenommen haben, auf unserer Single 'Schweine ins Weltall'. Wir haben auch Bands wie Kreator beeinflusst und bekamen super Kritiken im Punk-Magazin „Maximum Rocknroll“. Daraufhin erhielten wir von überallher Zuschriften, Jello Biafra hat sich zum Beispiel auch unsere erste Single bestellt. In den Achtzigern haben Punk- und Hardcore-Bands die Metal-Szene beeinflusst, im Metal gab es dann auch sozialkritischere Texte. Motörhead und Megadeth haben Songs von den Sex Pistols gecovert, ich sag' nur 'God Save The Queen'. Mille (Petrozza, Kreator-Sänger/Gitarrist – am) outete sich damals als THE IDIOTS-Fan. Ich war aber auch zu dieser Zeit großer Kreator-Fan. Früher gab es ja diesen Tape-Trading-Markt in der Szene. Das war richtig Underground, du warst dann mit einem Song überall vertreten. Unser erstes Album („They Call Us: The Idiots“, 1984 - am) schlug unheimlich ein, auch in der Metal-Szene. Nicht nur Mille, auch andere Metal-Bands fanden uns richtig geil und trugen unsere T-Shirts. Trotzdem war mir das Album „Station Of Life“ zu Metal-mäßig.«

Zum Glück gab es da auch noch die PHANTOMS OF FUTURE. Nach 20-jähriger Auszeit kündigte die Band 2021 ihre Reunion an und wird ebenfalls bei Hannes' Jubiläum auf der Bühne stehen. Er erinnert sich:

»1984 fuhr ich mit PHANTOMS OF FUTURE schon zweigleisig. Mit der Band spielte ich rund 800 Konzerte. In meinem Leben habe ich schon weit über 2000 Konzerte gegeben, teilweise 120 in einem Jahr. Iggy Pop sagte mir nach zwei gemeinsamen Shows in der Columbiahalle in Berlin: „Sir Hannes, you've got the punk inside!“ Der hat in seinem Leben so viele Vorbands gehabt, aber seine Mitmusiker waren fasziniert von uns, so dass er sich auch mal eine Show anguckte, bei der wir ihn beeindruckt haben. Wir haben mit den PHANTOMS mit so vielen bekannten Bands zusammengespielt. 1995 waren wir Co-Headliner mit D-A-D auf dem Wacken Open Air. Wir waren wirklich überall.«

Nachdem die PHANTOMS OF FUTURE 2001 auf Eis gelegt wurden, ging es für Hannes im Folgejahr mit HONIGDIEB weiter:

»Wir machen Folk und Polka, mit klassischen Instrumenten wie Kontrabass, Flöte und Geige. 2012 leitete ich die THE IDIOTS-Reunion ein, mit einem großen Konzert vor rund 15.000 Zuschauern. Killing Joke waren auch dabei, und Phillip Boa, der uns als große Idole seiner Jugend bezeichnete.«

Die Idee zur PHANTOMS OF FUTURE-Reunion kam Hannes vor rund eineinhalb Jahren mehr oder weniger im Schlaf.

»Wir waren 20 Jahre auseinander und bevor ich die anderen ansprach, habe ich öfter von unseren alten Auftritten geträumt. Dann habe ich die anderen gefragt. Die Proben laufen und jetzt freuen wir uns tierisch auf den 2. Dezember 2022!«

Seinen ersten Bühnenauftritt erlebte der Sänger übrigens nicht mit einer seiner Bands, sondern als Nachwuchs-Schauspieler.

»Ich hatte mit zehn Jahren in der Schule schon eine Theatergruppe und habe eigentlich mich selbst gespielt: den Jungen, der immer anders war. Das Bühnenjubiläum wollen wir jetzt am 2. Dezember ganz groß feiern.«

Stimmlich sicher eine Herausforderung für den Sänger, der an diesem Abend mit allen drei Bands auftreten wird:

»Das wird krass! Ich habe aber eine fünfjährige Gesangsausbildung gemacht, bei einer Opernsängerin in Essen-Frohnhausen. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich damals auch nicht 120 Konzerte in einem Jahr singen können. Wenn du jeden Tag singst, musst du deinen Kehlkopf durchbluten und Übungen machen, sonst schaffst du das nicht, sonst kannst du nicht drei Stunden am Stück singen und schreien (lacht). Mit zwei Bands an einem Abend bin ich schon mal aufgetreten, als wir 30 Jahre Idiots Records feierten. Aber mit drei Bands, da muss ich ganz ehrlich sagen, das wird eine Herausforderung.«

Zusammenfassend sagt Hannes über seine bevorstehende Jubiläumsshow:

»Das sind wirklich 50 Jahre Kultur aus dem Ruhrgebiet, ob das nun SODOM sind, DIE KASSIERER, THE IDIOTS, HONIGDIEB oder die PHANTOMS. Das sind alles Bands, die ein eigenes Fass aufgemacht haben, die musikalisch völlig für sich stehen und die Stilrichtungen und Bewegungen mitgeprägt haben. Und die sind alle an einem Abend zusammen und feiern miteinander. Da muss man dabei sein!«

Tickets für „Sir Hannes Smith & Friends“ bekommt ihr bei Idiots Records in Dortmund, beim FZW und im allgemeinen Vorverkauf.

www.shop.idiotsrecords.com

www.idiots.de

www.honigdieb.de

www.facebook.com/profile.php?id=100064817073111

Bands:
THE IDIOTS
PHANTOMS OF FUTURE
HONIGDIEB
Autor:
Alexandra Michels

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