Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 20.07.2022, 12:05

UFO, STINGER - Frankfurt, Batschkapp

Nicht nur die Scorpions und Deep Purple legen eine scheinbar endlose Abschiedstour hin. UFO touren seit 2019 unter dem Motto “Last Orders – 50th Anniversary 1969 - 2019” durch die Lande und holen die von 2020 und 2021 pandemienbedingt ausgefallenen Auftritte in Frankfurt nach.

Das Gastspiel wird gemäß dem Tourmotto um 21:05 Uhr stilecht mit einer Pubglocke eingeläutet und nach der regulären Schlussnummer `Rock Bottom` von Phil Mogg ausgebimmelt. Die Show bietet eine 80 Minuten lange Zeitreise durch die umfangreiche Diskografie der Band und findet nach schwächelndem Vorverkauf (der hintere Teil der Halle ist abgeteilt) doch vor unerwartet größerem Publikum statt. Nach zwei Nummern aus diesem Jahrtausend (später folgt mit dem starken `Burn Your House Down` noch eine dritte), ist Klassikeralarm angesagt. Davon gibt es leider zu wenig, denn die Setlist umfasst nur 12 Nummern. Dafür ist das Gebotene vom Feinsten, die britisch-amerikanisch-italienische Allianz hat enorme Spielfreude und die Herren Carter und De Luca erweisen sich einmal mehr als die bestmöglichen Ersatzleute für die verstorbenen Pete Way und Paul Raymond. Vor allem dem ex-Mitglied an Gitarre und den Korg/Roland-Keyboards merkt man an, wie sehr es ihm Freude macht, wieder vor Publikum zu spielen und einmal mehr mit seinen alten Kumpels das UFO-Vermächtnis aufleben zu lassen. Sein Sidekick auf der anderen Bühnenseite Vinnie Moore tobt sich dabei am meisten bei `Too Hot To Handle` und `Rock Bottom` (hier hamonisch gemeinsam mit Neil Carter) aus. Seltsam nur, dass von den drei Alben, die Neil mit der Band eingespielt bzw. geschrieben hat, keine einzige Nummer im Programm auftaucht. Wenn es gesundheitliche Probleme sind, die das Band-Ende einläuten, wundert das, denn Schlagzeuger Andy Parker verfügt immer noch über das notwendige Tempo und den nötigen harten Punch, aber auch Frontmann und Bandleader Phil Mogg scheint topfit und ist dabei der Gentleman der Truppe. Nicht nur, dass er recht kommunikativ ist, auch sein Outfit mit Hut, edlem Zwirn, Krawatte, Hosenträgern und feinen Schuhen ist ebenso extravagant wie geschmacksvoll. Wogegen sein Hauptgitarrist in Camouflagehose und Doc-Martens-Stiefeln eher schlabberig rüberkommt. Letztlich ist es ein würdiger Abschiedsbesuch in Frankfurt, allerdings mit etwas Abzug in der B-Note (Spieldauer und Setlist). Und wenn die Veteranen sich bald zurückziehen, ist deren Songmaterial bei Michael Schenker, der fünf der heute gespielten Nummern (sowie die vermissten `Let It Roll` und `Natural Thing`) selber im Programm hat, in besten Händen.

Ungewöhnlich beginnt der Konzertabend, nämlich früher als angekündigt. Diejenigen, die gemütlich im Biergarten der Batschkapp sitzen, werden um 19:45 Uhr von der Security freundlich informiert, dass es gleich losgeht. Wer sich rasch erhebt, wird belohnt, denn STINGER erweisen sich als optimaler Opener. Mit Vorschusslorbeeren der Jury des Deutschen Rock & Pop Preises ausgezeichnet, bieten die Süddeutschen eine coole Show. Stilistsch irgendwo zwischen AC/DC, Krokus, Rose Tattoo und Airbourne angesiedelt, spielt man erdigen Hardrock auf hohem Niveau und hat mit Martin Schaffrath einen starken Sänger in den Reihen. Der muss allerdings dem Bandleader Matthew Sting den Vortritt auf der Bühnenmitte lassen, welcher neben seinem engagierten Spiel vor allem durch seine Bewegungsfreude, sein Propellerheadbanging und seine Wasserduschen auffällt. Letztlich nutzen die Allersberger ihre Chance und erhalten nach ihrem 45-minütigen Auftritt weit mehr als nur Höflichkeitsapplaus.

Tags darauf sieht man beide Bands wieder bei Lieder Am See, wo STINGER kurzfristig für The Sweet ins Programm rutschen und seltsamerweise mit einer anderen Besetzung (Gesang und Bass) sensationell abräumen.

SETLIST UFO

Fighting Man
Run Boy Run
Ain`t No Baby
Lights Out
Only You Can Rock Me
Burn Your House Down
Cherry
Love To Love
Too Hot To Handle
Rock Bottom
Doctor Doctor
Shoot Shoot

Bands:
UFO
STINGER
Autor:
Wolfram Küper

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