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REVIEW 8.5 18.12.2019

(Album, RH 392, 2019)

REVEAL - Scissorgod

Ein weißer Torso, grün befleckt, stark bewaffnet (oder schwer zerstochen), beworfen mit einem riesigen Keks (oder einer fetten Torte) - das ist wohl das schrägste Coverartwork des Jahres, und es bedarf entweder eines geschulten künstlerischen Auges oder eines dem Erschaffer ähnlich verrückten Kopfes, um es zu verstehen. Schräg und verrückt, das sind allemal die passenden Stichworte, wenn es um eine neue Platte von REVEAL geht. Es ist, als würde das schwedische Quartett unterschiedliche Scherben sammeln und daraus ein nie zuvor gesehenes Mosaik erschaffen, wobei die Scherben für Black Metal, Post-Punk, Psychedelic Rock, Goth und klassische Instrumente wie Trompeten und Fagotte stehen und das Mosaik für „Scissorgod“. Da jedes Stück anders klingt und von der Freiheit lebt, sich immer genauso zu entfalten, wie man es gerade nicht erwarten würde, lässt sich nur schwer eine dem Album übergeordnete Aussage treffen; grundsätzlich aber drehen sich die einzelnen Songs um eine hüpfende, schräge, extreme Unbehaglichkeit hervorrufende Melodie (das „Hauptmotiv“), einen ultra-lauten und immer dazwischengrätschenden Bass (gespielt von Gottfrid Åhman, ex-In-Solitude) und eine den verstörenden Wahnsinn perfekt verkörpernde Stimme von Sänger Crack (nie traf ein Pseudonym besser zu!). Die Kunst des Ganzen liegt darin, dass die einzelnen Elemente nicht willkürlich zusammengewürfelt klingen, sondern zu einer Entität verschmelzen, die man so zuvor noch nie gehört hat. Am ehesten könnte man eine entfernte Verbrüderung von Oranssi Pazuzu und Lugubrum sehen und in einzelnen Liedern Vergleiche zu einem abgefuckt raunenden Marilyn Manson (´Decomposer´) oder einem morbiden, kaputten Alice Cooper ziehen, der eine perverse Black-Metal-Version von ´Welcome To My Nightmare´ spielt (´Coin Toss´), doch wirklich gerecht wird das „Scissorgod“ alles nicht. Direkte Einflüsse bleiben hier einfach unscheinbar, deswegen bleibt einem nichts anderes übrig, als die Welt dieser verrückten Köpfe selbst zu erkunden und entweder schreiend davonzulaufen oder sich voller Genuss mitreißen zu lassen. Willkommen im Jahr 2025! 3 Fragen an REVEAL-Sänger Crack: Crack, um „Scissorgod“ zu verstehen, verweist du auf die drei Schicksalsschwestern Urd, Skuld und Verdandi, von denen eine deinen Lebensfaden erschafft, eine ihn verwickelt und die letzte ihn mit der Schere zerschneidet. Handelt das Album also vom Tod? Und können wir nicht unser eigener „Scissorgod“ sein, indem wir uns selbst das Leben nehmen? »Sehr gute Frage! Die Wesen, die Nornen genannt werden, sind nicht physisch in Kontakt mit deinem Körper/Gehirn. Sie existieren vielmehr in einigen Zwischenbereichen, die wir nicht berühren können. Oder sie sind nur eine Idee, eine Lüge oder was auch immer. Du entscheidest. Die Idee, die mir als Kind beigebracht wurde, war, dass sie den Stoff der Realität zusammensetzen und allwissend sind. Wenn du von eigener Hand stirbst, war dies bekannt, und in dem Moment, in dem du den Abzug drückst, ist dein Lebensfaden durchtrennt. Sie sind Schicksal. In gewisser Weise handelt „Scissorgod“ also vom Tod. Alle wirklich wichtigen Dinge für uns haben den Tod als Motivator und Erinnerung. Der Tod als Ganzes ist jedoch eine sehr seltsame Sache. Irgendwie widerspricht es der Natur des Todes als völlige Zerstörung und Erlösung von diesem chaotischen Scheißort. (Hä? - Red.) Gleichzeitig streben wir danach, vom Tod durchtränkt und davon bereichert zu werden.« Hast du den Torso auf dem Cover selbst kreiert? »Ja, ich habe dieses schöne Selbstporträt gemacht. Es steckt viel Symbolisches darin. Ein Beispiel: Das Erste, was ich jemals gestohlen habe, war ein schwarzes Steinherz für das Mädchen, das ich liebte, als ich zehn war. Ablehnung folgte natürlich schnell, aber das Herz war das erste lebenswichtige Organ im Homunkulus, der unser Cover rühmt. Ein anderes ist ein Original-Demo von Morbids „December Moon“, da Dead einer der Eckpfeiler meiner Kunst war und ist.« Wie wichtig sind die Texte für REVEAL? Auf der einen Seite gibt es großartige Metaphern wie „these thoughts dance a wicked dance in my head, they fuck and they swarm - and make love“, über anderes muss ich lange nachdenken. »Nun ja, es soll Poesie sein, also starke Gefühle hervorrufen, provozieren, aus einer anderen Perspektive heraus Spaß machen und nicht zuletzt einfach Verwirrung stiften und dich dazu zwingen, alles zusammenzusetzen, was dir in den Sinn kommt. Wenn es dich zum Nachdenken bringt, ist das großartig. Wenn nicht, auch gut. Wir sind der Meinung, dass die Texte genauso wichtig sind wie jedes andere Instrument. Aus Musik, Texten, Kunstwerken, Partys, Merchandise, Konzerten formt sich ein größeres Bild. Ein Fluchtweg für Menschen. Aber eines Tages wird es hoffentlich eine kleine Welt à la Kiss sein - mit der Klugheit von The Doors und den Zähnen von Katharsis.« (mam)

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REVIEW 7.0 18.12.2019

(Album, RH 392, 2019)

QUEEN ELEPHANTINE - Gorgon

PLUS-MINUS Man hört dem Zeitlupen-Blues auf „Gorgon“ im Guten wie Schlechten an, dass QUEEN ELEPHANTINE erfahrene Studiomusiker sind. Die Hongkonger Wahlamerikaner holen auf ihrem tatsächlich schon sechsten Album in nicht mal 15 Jahren das Optimum aus möglichst wenig heraus, indem sie wirklich nur vier Riff-Ideen auf ebenso viele überlange Tracks verteilen und im jeweils gegebenen Rahmen so vielfältig interpretieren, wie es im psychedelischen Stoner Rock möglich ist. Die Tracks sind also im besten Sinne monoton und ungeheuer eingängig, aber ein „acquired taste“, um das mit „geschmäcklerisch“ nur unzureichend übersetzte Hörerlebnis mal auf Englisch stehen zu lassen. Weil die Band das mit dem Variieren aber unheimlich gut hinbekommt, ist die Scheibe streng genommen weit besser als die gesamte Diskografie der gehypten Monolord, die sich am ehesten als bekanntere Bezugsgröße anbieten. Andreas Schiffmann 7 QUEEN ELEPHANTINE sammeln mit beeindruckender Akribie all den Unrat ein, der einem schon bei anderen Bands auf den Sack geht, und stapeln ihn zu einem Mount-Everest-hohen Berg Sperrmüll. Noise übertüncht die konsequente Unfähigkeit, auch nur ansatzweise interessante Songs zu schreiben, Drone-Gewaber vertuscht das Sonderschul-Niveau der Psychedelic-Elemente, schlechte Riffs werden durch Free Jazz getarnt, der schief rumleiernde Gesang krempelt einem die Fußnägel um, und die irgendwo aufgeschnappten Folklore-Sprengsel sind wahrscheinlich superduper-authentisch, aber nix weiter als die i-Tüpfelchen auf einem riesigen Igittigitt. Eine Band aus Hongkong könnte sich wirklich anders nützlich machen... Jan Jaedike 2,5

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