Review

Reviews 9,5
Classic Rock Hard Rock

NESTOR

Kids In A Ghost Town

Label: Black Diamond
Dauer: 40:03
Erscheinungsdatum: 22.10.2021
Ausgabe: RH 414

Seitdem ich Anfang Juni die beiden vorab veröffentlichten Videos zu 'On The Run' und '1989' entdeckt habe, laufen diese bei mir rauf und runter, sodass ein nicht unerheblicher Teil der eine Million Streams auf mein Konto gehen dürfte. So laut, wie ich 'Call The Police' mitsinge, grenzt es an ein Wunder, dass selbige noch nicht bei mir vor der Tür stand. Zusammen mit zwei Freunden habe ich im totalen NESTOR-Rausch sogar Flüge zu den Shows nach Kopenhagen und Göteborg gebucht, bevor die Schweden wie aus dem Nichts für das Keep It True Rising angekündigt wurden. Doch wer steckt hinter dieser Band? Der Legende nach wurde sie bereits vor über drei Dekaden von fünf Schulfreunden in Falköping gegründet, die seinerzeit aber keine Veröffentlichung zustande brachten. Nun haben die gereiften Herren ihre alten Rockstar-Träume wieder aufleben lassen und verfolgen diese endlich mit der nötigen Entschlossenheit.
Mit viel Herzblut, Geschmackssicherheit und Nostalgie erwecken sie mit großer Authentizität die Achtziger zum Leben, wobei sie neben viel AOR und Melodic Rock (Journey, Icon) auch eine an Praying Mantis erinnernde NWOBHM-Schlagseite haben, die besonders bei 'Firesign' zum Vorschein kommt. Stilistisch sind die „Kids In A Ghost Town“ also nicht wirklich außergewöhnlich, aber zum einen haben sie ein unfassbar gutes Hit-Gespür (bei drei Songs stand der angesehene Songwriter Andreas Carlsson zur Seite, der u.a. schon mit Bon Jovi und Europe gearbeitet hat), zum anderen haben sie Gefühl, Gefühl und noch mal Gefühl (also genau das, was den vielen Retorten-Projekten abgeht). Die wunderschönen Gitarren verbreiten eine so intensive Sehnsucht, dass man Pipi in den Augen hat, und Sänger Tobias Gustavssons zartschmelzende, latent melancholische Stimme berührt das Herz - und zwar nicht nur bei der Piano-Ballade 'Tomorrow', die er im Duett mit Samantha Fox (!) singt, sondern auch bei den Rocksongs. Das kontroverse Image mit klamaukig wirkenden Retro-Klamotten, das eher nach Power Metal aussehende Logo und das, nennen wir es mal, suboptimale Cover sind nicht ganz einfach, aber von derlei Oberflächlichkeiten sollte man sich nicht blenden lassen. Magazinübergreifend sind viele Kollegen ebenfalls total aus dem Häuschen, und ich bin mir sicher, dass NESTOR nicht nur mein Newcomer des Jahres 2021 sind!

Autor:
Marcus Schleutermann
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos