Review

Reviews 9.0

NEVERMORE

The Politics Of Ecstasy

Ausgabe: RH 114

Nicht ganz so eingängig wie das überragende Debüt 'Nevermore' und das kürzlich veröffentlichte Minialbum 'In Memory' ist sie ausgefallen, die dritte Scheibe der Seattle-Power-Metaller. Doch was beim ersten Durchlauf etwas sperriger und komplizierter als erwartet klingt, entpuppt sich nach kurzer Gewöhnungsphase als technisch höchst anspruchsvolles Konzeptalbum, das musikalisch bewußt komplex gehalten wurde. Schon der knapp achtminütige Titelsong bietet alle NEVERMORE-typischen Facetten und verlangt dem Hörer einiges ab, erst nach und nach erschließen sich die durchdachten Arrangements, und Songs wie der Opener 'Seven Tongues Of God', 'This Sacrament' oder 'The Learning' (eine weitere Nummer mit Überlänge) entwickeln sich zu echten Ohrwürmern. Die Gitarren liefern sich beeindruckende Duelle, die Rhythmsection reiht ein Hammerbreak ans andere, und Sänger Warrel Dane brilliert wie gewohnt in allen erdenklichen Stimmlagen. Das inhaltliche Konzept ('die Einschränkung der persönlichen Freiheiten, die Politiker gegenüber ihrem Volk mehr und mehr vornehmen') ist im Grunde nichts anderes als ein roter Faden, der die Songs locker miteinander verbindet. Erwartet also keine komplizierten Rechenspielchen à la King Diamond oder ausgetüftelte Stories der Marke Queensryche/Savatage. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der äußerst abwechslungsreichen Musik, die ohne weiteres für sich alleine stehen kann. Eindeutiges Fazit: Nach dem traurigen Ende von Metal Church (falls Kurdt Vanderhoof recht behält) ist eine Band wie NEVERMORE um so unverzichtbarer. Power Metal rules!

Autor:
Götz Kühnemund
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