Review

Reviews

SACRED REICH

The American Way

Wir schreiben das Jahr 1990. Meine Kumpels und ich (alle um die 15 und schon seit zwei, drei Jahren voll Metal) rocken in der Schule am liebsten in knallengen Streifenhosen (schon damals eine Todsünde), Kutte und versifften Turnschuhen auf. Logische Konsequenz: Unser Sexualleben beschränkt sich auf gemeinsames „Tutti Frutti"-Gucken mit ´ner Dose Hansa in der Hand. Was tun?

Wir kommen auf die glorreiche Idee, uns beim von der Penne organisierten Tanzkurs (!) einzuschreiben, um zumindest mal ´ne Perle MIT Klamotten begrabbeln zu können. Gedacht, getan, und es dauert nicht allzu lange, bis wir uns mit unseren Poser-Kollegen im gecharterten Bus nach Aachen befinden, um ´ne heiße Sohle aufs Parkett zu legen. Allerdings geht uns die halbstündige Fahrt bereits so auf den Sack, dass wir dem Busfahrer (!) ein Tape für die Bord-P.A. in die Hand drücken, »um uns schon mal einzustimmen«. Dass die Kassette SACRED REICHs „The American Way", eins der besten Thrash-Alben aller Zeiten, enthält, stimmt allerdings nur uns froh, so dass es bereits bei der ersten Hinfahrt beinahe zu der einen oder anderen Auseinandersetzung gekommen wäre.

Aber mal im Ernst: Konnten wir dafür, dass unsere „Bailey´s"-nippenden Kollegen den Wert von Ultra-Hymnen wie ´Love... Hate´, ´The American Way´, ´Crimes Against Humanity´, ´I Don´t Know´ oder ´Who´s To Blame´ (der Killer schlechthin!) verkannten, die neben brillanten Harmonien auch noch tolle kritische Lyrics aufwiesen? Ich denke nicht!

Wie dem auch sei: Mittlerweile, mehr als elf Jahre später, können mir (und meiner heutigen Freundin Gott sei Dank auch) Cha-Cha-Cha („Eins, zwei, Cha-Cha-Cha!" Yeah!) und Walzer gestohlen bleiben, während „The American Way" auch im Jahre 2001 noch so manche Runde dreht. So really who´s to blame?

Autor:
Boris Kaiser
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos