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REVIEW 9.0 25.01.2017

(Dynamit, RH 357, 2017)

BROILERS - (sic!)

Skull & Palms/Warner (44:22) Ist ja nicht so, als hätte ich was gegen deutsche Texte. Im Gegenteil: Ich mag den Wortwitz von Lindenberg, ich liebe die Lakonie von Sven Regener (also Element Of Crime), selbst der kühlen, beinahe arroganten Intellektualität Tocotronics kann ich was abgewinnen. Schwierig wird es dagegen in der Regel im sogenannten „Deutschrock" oder „Deutschpunk", stumpf ist nun mal nicht immer Trumpf, und Märtyrertum ertrage ich höchstens in den richtigen Momenten bei den Onkelz. Bei den BROILERS, Punkrocker aus Düsseldorf, ist es dagegen nun so, dass ihre (hier und da durchaus pathetischen) Lyrics nur nicht stören, nein, Frontmann Sammy Amara verfasst immer wieder Zeilen, die aufhorchen lassen, ach: die glücklich machen und bei denen man denkt, man hätte sie gerne selber geschrieben. Natürlich markiert der 37-Jährige hin und wieder den Dicken, aber er hat dabei eine wunderbare Selbstironie - und er bleibt, wie der Rest der Band, politisch und gesellschaftlich hellwach, dreht sich in dem, was er offenbart, also nicht nur ständig um sich selbst. Was die BROILERS dann letzten Endes zur besten Band ihres Genres macht, ist schließlich die genauso gute Musik: Im Vergleich zum 2014er Vorgänger „Noir", der alles in allem deutlich ruhiger tönte als seine Vorgänger, steht „(sic!)" wieder in der Tradition von eben „Vanitas" oder „Santa Muerte" und flankiert mit ein paar zurückhaltenderen Nummern (´Ihr da oben´, ´Und hier steh´ ich´) sowie zwei Ska-Ausreißern (´Gangster, Gangster´, das tolle ´Zu den Wurzeln´) jede Menge famos komponierte, hochenergetische Hits, die in ihrer Gesamtanmutung einmal mehr - kein Scherz, keine Übertreibung! - dem Besten von Social Distortion locker Paroli bieten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Checkt einfach ´Nur ein Land´, ´Bitteres Manifest´, ´Die beste aller Zeiten´ und ´Als das alles begann´!

REVIEW 8.5 29.01.2014

(Dynamit, RH 321, 2014)

BROILERS - Noir

BONUSBOMBE People Like You/Universal (52:07) Platz drei in den deutschen Albumcharts mit dem Vorgänger „Santa Muerte" war eine Ansage, aber die BROILERS wischen bereits mit den ersten beiden „Noir"-Songs sämtliche etwaige Zweifel vom Tisch: ´Ist da jemand?´ und ´Zurück in Schwarz´ sind locker getextete, perfekt arrangierte, hart, aber herzlich produzierte Punkrock-Hits, die an die größten (Live-)Gassenhauer der DüsseldorferInnen anschließen. Und auch im weiteren Verlauf (16 Tracks!) tut sich die Band nicht sehr schwer, dem Druck standzuhalten: Klar, das schon auf „Santa Muerte" stark zurückgenommene juvenile Ungestüm ist endgültig perdu; wenn man heute übers Saufen singt, lugt der dicke, fette Kater gleich mit um die Ecke (´Die Letzten (an der Bar)´). Und ja, trotz des großen kommerziellen Erfolgs der letzten Jahre merkt man, dass die BROILERS, alle Mitte 30, gerade in einer Phase sind, in der sie sich fragen, ob das, was ist, denn auch reicht im Leben. Aber sie sind nun mal schlau genug, ihre Zweifel und Anliegen nie weinerlich klingen zu lassen, nichts schlägt in aufdringliche Koketterie um, nichts wird allzu pathetisch. Im Gegenteil: Frontmann Sammy Amara, Texter der Band, trifft fast immer den richtigen Ton, seine unprätentiösen Lyrics spiegeln die Gedanken seiner Generation wider, ohne anbiedernd zu wirken. Musikalisch lassen es die vier Kerle und ihre Bassistin immer öfter etwas ruhiger angehen, sie schrecken nicht mehr vor einzelnen Singer/Songwriter-Ausflügen zurück, und sie wildern - durchaus am Puls der Zeit - auch in leicht kühlen Wave- und Postpunk-Gefilden (das tolle ´Ich brenn´´, das leider weniger tolle ´Ich hol´ Dich da raus´). Die Herzstücke sind aber natürlich auch auf „Noir" die charmanten Mid- und Uptempo-Schoten, die man auch ohne Onkelz- (nichts gegen die Onkelz!) und Frei.Wild-Sammlung toll finden kann, die aber trotzdem nicht den Eindruck von läppischem „Abiturienten-Oi!" erwecken. Wer´s nicht glaubt, checkt ´Die Hoffnung stirbt nie´, ´Ich will hier nicht sein´, ´Grau, Grau, Grau´ oder ´Gutes Leben´.

REVIEW 26.09.2012

(Album, RH 305, 2012)

BROILERS - Santa Muerte Live Tapes

People Like You/EMI (115:43) Letztens noch überlegt, ob wir hier nicht doch in ´nem „Land der Vollidioten" leben, in dem ausschließlich grenzdebile Volksmusikanten und ihre ähnlich beschränkten besten „Rocker"-Kumpels die dicken Erfolge einfahren, aber dann noch mal genauer an die Spitze der Charts geguckt und Hoffnung geschöpft: Es geht anscheinend auch ohne Wertekonservatismus, ohne Opferrolle, ohne Märtyrertum als Lebenssinn. Bis auf Platz drei haben es die BROILERS mit ihrem letzten Studioalbum „Santa Muerte" geschafft, die DüsseldorferInnen sind auf dem besten Weg, zu den ganz Großen der, nun ja, Deutschrock-Szene aufzuschließen. Dass jetzt ein (Doppel-)Livealbum erscheint, das die megaerfolgreiche Tour der (ehemaligen) Oi!-Punks zusammenfasst, ist natürlich in erster Linie Businessplänen geschuldet; das fertige Produkt tönt aber dermaßen energetisch, dass sich Kritik beinahe verbietet. Aufgenommen in Dortmund, Leipzig und Bremen und beim Mix angenehm rau belassen, zeigen die 31 (!) Songs eine Band, die sich zwischen bittersüßer Melancholie, Ist-ja-jetzt-auch-egal-Fatalismus und strahlendstem Optimismus eine eigene Nische geschaffen hat, in der man auch als Fan immer wieder gerne ein paar Stunden verbringt. ´Zurück zum Beton´, ´In ein paar Jahren...´, ´Tanzt du noch einmal mit mir?´, ´33 rpm´ oder ´Meine Sache´ sind wie das Leben an sich, also ganz bestimmt nicht schwarz und auch nicht weiß, und wenn sie nicht gerade bunt schillern, präsentieren sie sich höchstens mal in vorsichtigem Grau. Aber das stets im besten und erfahrenen Wissen, dass bis jetzt noch jede verfickte Wolke irgendwann weitergezogen ist und den Himmel wieder freigegeben hat.

REVIEW 8.5 18.05.2011

(Dynamit, RH 289, 2011)

BROILERS - Santa Muerte

People Like You/EMI (42:48) Anfang 30 sind sie alle, die BROILERS aus Düsseldorf, also in einem Alter, in dem die Jugendzeit, so sehr man sich auch bemüht, unwiederbringlich vorbei ist, in dem man aber auch weiß Gott noch keinen Bock hat, sich mit den ganzen komischen Erwachsenen tagtäglich im Penny, im Baumarkt, in der Waschanlage um die Wette zu langweilen. Und auch wenn er durchaus noch anderes aussagt: Kaum ein Song hat dieses Gefühl, diesen Zwiespalt jemals berührender vermittelt als das „Santa Muerte"-Stück ´In ein paar Jahren...´. Überhaupt diese Mischung aus Zuversicht, Durchhaltewillen, Fatalismus und Melancholie, die den Punkrock der BROILERS auszeichnet - das alles ist in den besten Momenten von der Attitüde her tatsächlich ganz nahe an (älteren) Social Distortion, die Rheinländer haben die gesamte direkte Konkurrenz vor allem textlich bereits weit hinter sich gelassen. Dass es diesmal mit dem ganz großen Durchbruch klappen wird, dafür sorgt aber auch das famose, durchgehende Hitgespür des gemischten Fünfers (vier Typen und Bassistin Ines). Neben dem zweiten ganz großen Herzzerreißer ´Verdammte Stille´ besonders weit vorne: die bittersüßen ´Vom Scheitern (The World Is Yours, nicht!)´, ´Wie weit wir gehen´ und ´Singe, seufze & saufe´, die energischeren ´Tanzt du noch einmal mit mir?´ und ´Alles geht weiter´ sowie die beiden - dass ich das mal schreiben würde - Ska-Rocker ´Harter Weg (Go!)´ und ´33 rpm´.

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