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REVIEW 9.0 29.03.2021, 17:17

(Dynamit, RH 406, 2021)

THE VINTAGE CARAVAN - Monuments

Schon das letzte Album „Gateways“ dokumentierte, dass aus der Ex-Retro-Bubi-Truppe längst ein ernstzunehmender Act mit Ambitionen herauswächst. Was 2018 bereits über weite Album-Strecken bestens funktionierte, gibt es nun als einstündiges Rundum-sorglos-Paket. „Monuments“ ist das, was man als Kritiker gerne allen Bands ins Klassenbuch schreiben würde, aber leider nur selten darf: eine Steigerung auf allen Ebenen! Starke Songs ohne Durststrecken, knackig gespielt und arrangiert, mit (immer noch) spürbarem jugendlichen Enthusiasmus dynamisch auf die Festplatte genagelt. Hatte man auf den ersten Alben eher den Eindruck, dass die Vorbilder Led Zeppelin und Jimi Hendrix etwas überpräsent sind, entpuppte sich Sänger/Gitarrist Oskar Logi Agustsson kürzlich als geschmackssicherer Fan des irischen Bluesbarden Rory Gallagher, dessen dynamisches Gitarrenspiel in der Metal-Welt leider wenig bekannt ist, auf „Monuments“ allerdings nun in einer jungen, explosiveren Variante durchschimmert. Yeah! Die Tour mit Opeth dürfte das isländische Trio zudem bestärkt haben, erneut ein paar atmosphärische, folkig-sanfte Farbtupfer zuzulassen, die zwischen den meist ruppig-groovigen Rockern feine Chill-out-Inseln mit Blick auf den Himmel freilegen. ´Clarity´ zum Beispiel, aber auch der feine Lovesong ´This One´s For You´. Dazu kommen dynamische Soundspielchen, kurze Prog-Eruptionen (brillant: ´Crystallized´ und der Longtrack ´Forgotten´) sowie eine Handvoll bestechender Gesangsmelodien, die nach der Erfahrung von vier Longplayern angenehm locker aus dem Ärmel geschüttelt werden. Wäre dies ein Debüt, müssten sich Hochgelobte wie Greta Van Fleet oder die Blues Pills artig hintanstellen, aber die Welt ist nun mal nicht gerecht. Es wird deshalb wohl noch eine Weile dauern, bis man Islands hart arbeitende Retro-Fanatiker für voll nehmen wird, aber das ist für Liebhaber natürlich erst recht ein Grund, sich „Monuments“ sofort zuzulegen. Man will ja mitreden können. Wahrscheinlich die Genre-Platte des Jahres!

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