My Hometown


Foto: Bert Treu

My Hometown 24.02.2021, 08:00

AYREON - My Hometown: Oudemolen mit Arjen Lucassen

Wer das Großstadtleben liebt, wäre in Arjen Lucassens Heimatort falsch – der Ayreon-Schöpfer lebt im kleinen Örtchen Oudemolen im Nordosten der Niederlande, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Arjen, Oudemolen ist weitab vom Schlag, oder?

»Ja, das stimmt. Ich lebe an einem ganz besonderen Ort mitten im Nirgendwo: in einer ehemaligen Schule, die schon 1921 errichtet wurde. Sie ist echt groß mit riesigen Räumen und wurde in den Siebzigern zu einem Wohnhaus umgebaut; meine Freundin Lori lebt dort mit mir. Ich habe mein eigenes Tonstudio, und sie betreibt ein Fotostudio. In der Umgebung gibt es nur Bauernhöfe und Felder. Das ganze Dorf besteht eigentlich nur aus einem Deich. Ich glaube, hier leben nicht einmal 200 Menschen.«

Wieso bist du dort hingezogen?

»Zuvor wohnte ich in der Nähe von Breda. Da war es wirklich schön so tief im Wald, doch ein Problem bestand darin, dass ich Nachbarn hatte (lacht). Mein Studio war komplett isoliert und dunkel. Ich hatte keine Fenster und arbeitete nicht gern in diesem finsteren Keller. Nach zehn Jahren musste mich meine Freundin fast mit Gewalt ins Studio treiben, denn ich wollte eins haben, wo ich Fenster öffnen und so viel Krach machen kann, wie ich will. Nach so einem Ort suchten wir also, bis wir diese Schule fanden. Neben dem Haus stand allerdings ein weiteres Gebäude, wo früher der Direktor gelebt hatte und nun ebenfalls Leute wohnten. Bevor wir also das Anwesen kauften, klopften wir bei den Nachbarn an, um zu schauen, wie sie drauf waren. Ein junger Typ öffnete die Tür und meinte: „Hey, du bist doch Arjen Lucassen. Ich habe alle deine CDs!“ Ich erklärte ihm dann, dass wir das Nachbarhaus vielleicht kaufen würden, und fragte, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich mir dort ein Studio einrichte. Er erwiderte: „Ich würde die ganze Zeit davor sitzen und zuhören!“ Das lief also sehr gut – wir kauften das Haus und wohnen jetzt seit zwei Jahren darin.«

Wenn du Besuch bekommst, was zeigst du deinen Gästen?

»Das schöne Hafenstädtchen Willemstad ist nicht weit weg. Es hat die Form eines Sterns, wenn man es von oben betrachtet. Ich lebe nur zwei Kilometer vom Meer entfernt und habe nicht sehr oft Besuch; meistens sind es Musiker, die bei mir aufnehmen. Dann bringen wir sie in Willemstad in einem reizenden Hotel am Hafen unter. Weil der Ort so alt ist, gibt es dort auch viele Festungen.«

Kannst du bestimmte lokale Spezialitäten empfehlen?

»Meine Nachbarn haben Hühner und Enten. Wir bekommen immer frische Eier von ihnen. Das ist eine wirklich lokale Spezialität (lacht).«

Bist du in deinem Dorf berühmt?

»Na ja, die Leute lesen Zeitung, und manchmal sieht man mich im Fernsehen. Sie wissen also, wer ich bin, belästigen mich aber nicht. Ab und zu spricht mich jemand an, von wegen „Ich hab dich gestern in der Presse gesehen!“ oder „Ich hab mir deine DVD gekauft!“ Ich falle aber sowieso auf, weil ich über zwei Meter groß bin, lange Haare habe und mich komisch anziehe. Keine Ahnung, ob die Leute mich mögen oder denken, ich sei ein schräger Vogel (lacht). Andererseits glaube ich schon, dass sie mich mögen – diesen komischen, langen Hippie, der immer mit seinem kleinen, flauschigen Hund spazieren geht.«

Bekommst du manchmal Besuch von Fans, die deine Adresse herausgefunden haben?

»Ja, tatsächlich. Ich habe ein Einmannunternehmen, was bedeutet, dass man der Handelskammer angehören muss. Darum können die Leute einfach meine Adresse nachschauen, was echt Mist ist. Manchmal erhalte ich Geschenke, oder jemand kommt tatsächlich her und klingelt bei mir, aber das macht mir im Grunde genommen keine Sorgen. Ich bin ja nicht Justin Bieber! Ich habe tolle Fans, die meine Musik sehr zu schätzen wissen, und gehe manchmal einfach raus zu ihnen, um hallo zu sagen. Ich würde sie vielleicht nicht ins Haus bitten, bin mir allerdings auch nicht ganz sicher, ob ich meine eigene Mutter reinlassen würde (lacht).«

Gibt es in deiner Gegend eine Musikszene?

»Nicht im Umkreis von 20 Kilometern, schätze ich, aber etwas weiter weg hast du Breda und Tilburg, wo wir öfter aufgetreten sind… Na ja, „öfter“ ist womöglich übertrieben – zweimal, aber für mich ist das oft (lacht). Dort gibt es eine sehr lebendige Musikszene.«

Kaufst du Musik online, oder gibt es einen coolen Plattenladen, den du regelmäßig aufsuchst?

»Es gibt in Breda einen Laden namens Velvet, wo ich über 20 Jahre hinweg Tausende, Abertausende CDs und Platten gekauft habe. Wenn ich ein neues Album veröffentliche, gebe ich dort Autogrammstunden. Das ist auch schön für die Betreiber, weil Fans, die ansonsten vielleicht online bestellen würden, ihr Exemplar dann dort eintüten.«

Hast du mal darüber nachgedacht, wieder in eine größere Stadt oder ein anderes Land zu ziehen?

»Ich bin in einer großen Stadt aufgewachsen, Den Haag. Als Jugendlicher fand ich das toll, denn ich wollte dort sein, wo etwas los war. Bis in meine Dreißiger steckte ich noch sehr tief in dieser „Sex, Drugs And Rock´n´Roll“-Phase; ich bin ja 15 bis 20 Jahre um die ganze Welt getourt, doch das ist für mich komplett vorbei. Jetzt möchte ich in einem Dorf leben und keine Ampeln mehr sehen oder nach einem Parkplatz suchen müssen (lacht). Falls ich noch mal umziehen würde, dann nur noch weiter raus in die Natur. Mein Lieblingsland wäre irgendwo im Norden, weil ich Hitze nicht ausstehen kann, eventuell Schweden oder Norwegen.«

www.arjenlucassen.com

www.facebook.com/arjenlucassenofficial[Link auf http://www.arjenlucassen.com]

Bands:
AYREON
Autor:
Alexandra Michels

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